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27. Januar 2009

"Das schadet der Glaubwürdigkeit"

Der Freiburger Theologe Schockenhoff kritisiert den Papst / Der Vatikan verteidigt die Begnadigung von vier abtrünnigen Bischöfen

ROM. Im Streit um die antisemitischen Äußerungen des britischen Bischofs Richard Williamson verteidigt der Vatikan die Annäherung der katholischen Kirche an die traditionalistische Lefèbvre-Strömung (BZ vom Montag). Unabhängig vom Fall Williamson kritisierte der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff die Entscheidung gestern scharf.

Grundsätzlich handele es sich um zwei voneinander unabhängige Fragen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Auch der deutsche Kardinal Walter Kasper, in der Kurie für Ökumene und den Dialog mit dem Judentum zuständig, sagte am Montag der Zeitung La Repubblica: "Die Aufhebung der Exkommunikation darf nicht mit den Äußerungen Williamsons vermischt werden." Lombardi nannte dessen Kommentare in einem Fernsehinterview "in keiner Weise akzeptabel". Kasper sagte, den Holocaust zu leugnen, sei dumm. Auch die Deutsche Bischofskonferenz bezeichnete Williamsons Worte am Montag als inakzeptabel. Vatikanintern war allerdings auch von einem schweren Fehler die Rede.

Williamson hatte in einem am vergangenen Mittwoch ausgestrahlten Interview mit dem schwedischen Sender SVT behauptet, er glaube nicht daran, dass es im Dritten Reich Gaskammern gegeben habe und sechs Millionen Juden umgebracht worden seien. Am Samstag hatte Papst Benedikt XVI. den Kirchenbann Williamsons und dreier anderer Bischöfe aufgehoben. Sie waren 1988 vom traditionalistischen Bischof Marcel Lefèbvre ohne Genehmigung von Papst Johannes Paul II. zum Bischof geweiht worden und deshalb exkommuniziert worden. Die Lefèbvrianer wehren sich bislang gegen die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 65), etwa den Dialog mit anderen Religionen, und beharren auf traditionellen Riten. Gegen das Dekret zur Wiedereingliederung Williamsons in die Kirche hatten am Wochenende jüdische Organisationen protestiert.

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Nach Ansicht des Freiburger Theologen Eberhard Schockenhoff ist die Aufhebung des Schismas widersprüchlich. "Es ist nun möglich, Bischof der katholischen Kirche zu sein, ohne in der vollen Gemeinschaft ihres Glaubens zu stehen", sagte er am Montag in Freiburg. Die strittigen Punkte beträfen zentrale Aussagen des kirchlichen Glaubens wie das Offenbarungsverständnis und das Kirchenbild. Konkret nannte Schockenhoff die Lehre vom gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen, von der Kirche als universalem Sakrament des Heils und vom allgemeinen Heilswillen Gottes sowie die Anerkennung der Religionsfreiheit und die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Würde des Gewissens. Unter Papst Johannes Paul II. hätten die Verhandlungen unter dem Grundsatz gestanden, dass eine Wiedereingliederung der exkommunizierten Bischöfe ihre Anerkennung der strittigen Aussagen zwingend voraussetze. Sie zählten zu den Grundlagen kirchlicher Einheit, die auch für den Papst unverfügbar seien. "Wenn dieser nun durch sein Entgegenkommen den Eindruck erweckt, zentrale Glaubensaussagen der Kirche stünden zu seiner strategischen Disposition, schadet das der Glaubwürdigkeit seines Amtes", so der Theologe. Der Papst selbst sei dann kein verlässlicher Garant des katholischen Glaubens mehr, wie ihn das jüngste Konzil verbindlich verkündet habe.

Autor: Julius Müller-Meiningen