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23. Februar 2009

"Der Holocaust ist Tatsache"

Altkanzler Schröder verstimmt im Iran den Präsidenten und amüsiert sich mit dessen Konkurrenz

  1. Mit Präsidentschaftskandidat Mohammad Khatami (rechts) verstand sich der deutsche Altkanzler deutlich besser als mit dem Amtsinhaber. Khatami schenkte Schröder ein Buch mit iranischer Poesie. Foto: dpa

TEHERAN (dpa). Altkanzler Gerhard Schröder sollte eigentlich nur als Gast des iranischen Neurochirurgen Madschid Samii, eines alten Bekannten aus Hannover, Teheran besuchen. Inzwischen ist der Besuch aber zu einem Politikum geworden, das für viel Aufsehen in Teheran und Berlin gesorgt hat. Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte Schröder scharf, dieser griff am Samstag den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad offen an.

Eigentlich wollte Schröder nur eine wissenschaftliche Stiftung eröffnen, den Grundstein für eine neurologische Uniklinik in der nordiranischen Stadt Rasht legen, die historische Stadt Isfahan anschauen und dann wieder nach Hause fliegen. Doch dann traf er an nur einem Tag fast die gesamte politische Elite des Landes, einschließlich des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und seines Herausforderers Mohammad Khatami.

"Es ist ja klar, dass eine so politische Persönlichkeit wie Herr Schröder auch bei einem Privatbesuch politische Gespräche nicht umgehen kann", sagte Irans Botschafter in Berlin, Ali Resa Scheich Attar. Auch der Ex-Kanzler selbst hatte kein Hehl daraus gemacht, dass er politische Gespräche begrüßen würde: "Ich bin ein politischer Mensch."

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Für die Presse in Teheran war Schröder von vornherein der Gesandte des neuen US-Präsidenten Barack Obama oder zumindest im offiziellen Auftrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Iran. All die Bemühungen des Altkanzlers, dies zu dementieren, führten nur zu mehr Spekulationen über eine geheime Mission.

Über die Gespräche mit den Kabinettsmitgliedern wurde in Teheran fast nichts berichtet. Das Treffen mit Ahmadinedschad drohte Gerüchten zufolge sogar ganz zu platzen. Hintergrund war eine Rede Schröders zuvor in der iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran. Dort hatte er den Präsidenten für dessen israelfeindliche Bemerkungen und die Leugnung des Holocaust kritisiert. "Der Holocaust ist eine historische Tatsache, und es macht keinen Sinn, dieses einmalige Verbrechen zu leugnen." Ahmadinedschad hatte vor zwei Jahren die Entfernung Israels aus dem Nahen Osten und seine Verlegung nach Europa oder Amerika gefordert. Außerdem hatte er die historischen Dimensionen des Holocaust geleugnet und sie als Märchen bezeichnet. Die iranische Seite konterte mit der Forderung an Schröder und den Westen, den Konflikt im Nahen Osten nicht mit zweierlei Maß zu messen und auch die israelischen "Aggressionen" im Gazastreifen zu verurteilen.

Eine informierte Quelle in Teheran behauptete, dass die Rede Schröders gar nicht geplant war und erst nach der Kritik in Deutschland am Treffen mit dem iranischen Präsidenten vorbereitet wurde. Schröder war vom Zentralrat der Juden in Deutschland vorgeworfen worden, Ahmadinedschad mit dem Treffen aufzuwerten. Ahmadinedschad war anscheinend über die Kritik im eigenen Land gar nicht erfreut. Die Begegnung fand zwar statt, aber in einer offensichtlich angespannten und eher kühlen Atmosphäre.

Ganz anders war das Treffen Schröders mit Ahmadinedschads Herausforderer Mohammad Khatami. Die beiden begrüßten sich sehr herzlich, plauderten über gemeinsame Zeiten im Amt, lachten viel. Es wurde sogar kurz Deutsch gesprochen – Khatami war vor der islamischen Revolution von 1979 Leiter der islamischen Moschee in Hamburg.

Schröder appellierte an Teheran, die ausgestreckte Hand der Obama-Regierung anzunehmen, um eine neue Ära in den Beziehungen zum Westen beginnen zu können. Am Ende seiner Reise bemerkte er dazu zwar Bereitschaft, aber nicht so wie gewünscht. Auch Teheran will eine neue Ära – aber auf seine Art, und die beinhaltet weder die Anerkennung des Existenzrechts Israels noch eine Aussetzung der Urananreicherung.

Autor: dpa