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18. September 2009
Der Jemen könnte ein zweites Somalia werden
Zahlreiche Konflikte drohen das Land zu zerreißen / Bei einem Angriff auf Rebellen starben vermutlich auch 80 Zivilisten
SANAA. Es ist ein vergessener Krieg in einem vergessenen Land. Nur selten schafft es der Konflikt zwischen der Zentralregierung im Jemen und den schiitischen Hu-thi-Aufständischen im entlegenen Norden des Landes in die internationalen Nachrichten. Nur dann vielleicht, wenn das Rote Kreuz von 30 000 Flüchtlingen berichtet, oder wenn ein besonders brutaler Luftangriff in die Schlagzeilen gerät. Am Donnerstag war es wieder so weit. 80 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, sollen bei einem Angriff der jemenitischen Luftwaffe auf ein improvisiertes Flüchtlingslager in der Grenzprovinz Sadaa ums Leben gekommen sein.
Lokale Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichten von gleich zwei Angriffen. Die jemenitischen Behörden bestätigten einen Angriff, sagten aber, ein Kampfjet habe Rebellen attackiert, die aus einer Ansammlung von Zivilisten heraus geschossen hätten. Keine der beiden Version konnte von unabhängiger Seite bestätigt werden. Journalisten und internationale Hilfsorganisationen werden aus dem Kampfgebiet ferngehalten. Der Krieg findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, so dass weder die Zahl der Opfer, noch der Flüchtlinge bekannt ist. Nur in der Hauptstadt Sanaa sind sie fast täglich zu hören, die Kampfjets auf dem Weg zu ihrem Einsatz im Norden.
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Der seit fünf Jahren schwelende Konflikt war Mitte August eskaliert, als die Huthi-Rebellen einen strategisch wichtigen Militärposten auf der Schnellstraße zur saudischen Grenze überfallen hatten. Die Regierung startete eine Offensive mit Artillerieeinsatz. Erstmals kam es auch zu nächtlichen Luftangriffen. Die Kämpfe sind inzwischen nur noch 120 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Der Versuch eines Waffenstillstandes war am 4. September innerhalb weniger Stunden gescheitert. Letzten Mittwoch hatten die Rebellen in einem Schreiben an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erneut ihre Bereitschaft zu einem "bedingungslosen Waffenstillstand" erklärt. Die Regierung macht diesen aber von einer Entwaffnung der Rebellen abhängig.
Hintergrund des Konfliktes sind Stämme, die der schiitischen Saiditen-Sekte angehören und die gegen die Zentralregierung rebellieren, weil ihre Region vernachlässigt wird. Die Huthi-Rebellen sind benannt nach ihrem früheren Anführer Hussein al-Huthi, der vergangenes Jahr bei Zusammenstößen mit der Armee getötet worden war. Die Rebellen klagen, die Regierung werde zunehmend von radikalen Sunniten beeinflusst. Diese sehen die Schiiten, die ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen, als Häretiker an. Die Regierung wirft den Rebellen vor, vom Iran unterstützt zu werden, der einen Fuß in den Jemen bekommen wolle. Bisher hat sie für diese Anschuldigung aber keine konkreten Beweise geliefert.
Der Huthi-Konflikt ist allerdings nur einer von vielen. Die Regierung kämpft nicht nur gegen die Rebellen im Norden. Im einstigen sozialistischen Süden melden sich immer mehr Separatistenbewegungen zu Wort. In vielen der Stammesgebiete, die mehr oder weniger sich selbst überlassen sind, haben Zellen des Al-Qaida-Netzwerkes eine sichere Zuflucht gefunden. Sie machen mit Anschlägen im Jemen oder im benachbarten Saudi Arabien von sich reden.
Autor: Karim El-Gawhary
