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15. März 2010 00:08 Uhr

Rüstung

Deutschland ist Waffengroßhändler

Die Finanzkrise hat den internationalen Waffenhandel nicht nachhaltig gebremst, und Deutschland ist im Rüstungsgeschäft endgültig in die Reihe der Großhändler aufgestiegen.

  1. Kampfpanzer des Typs Leopard-2A5 fahren durch ein Übungsgebiet der Bundeswehr. Auch für andere Länder sind sie interessant Foto: dpa

STOCKHOLM. Seit Beginn des Jahrzehnts haben sich die deutschen Waffenexporte mehr als verdoppelt. Der Anteil am globalen Handel mit Kriegsmaterial stieg von sechs auf elf Prozent.

Insgesamt lag der Umsatz der Waffenhändler zwischen 2005 und 2009 um 22 Prozent höher als in der davor liegenden Fünfjahresperiode. Dies geht aus den neuesten Zahlen über den globalen Handel mit konventionellen Waffen hervor, die das Friedensforschungsinstitut Sipri am heutigen Montag in Stockholm veröffentlicht.

Nach den Hochzeiten der Kriegskaufleute während des Kalten Krieges war das Rüstungsgeschäft in den neunziger Jahren stark geschrumpft. Doch seit Mitte dieses Jahrzehnts ist der Trend wieder steigend, und inzwischen hat der Handel fast wieder altes Niveau erreicht. Zwar lag der Umsatz 2008 und 2009 leicht unter dem der davor liegenden Jahre, doch dass die Haushaltsprobleme vieler Staaten zu einem Rüstungsstopp geführt hätten, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen. Da sich große Waffenkäufe oft über mehrere Jahre hinziehen, operiert Sipri mit Fünfjahresperioden – und die jüngste wies deutlichen Zuwachs aus.

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Deutschland mischt in diesem Geschäft immer stärker mit, nur die USA und Russland exportierten mehr. 40 Prozent gingen an europäische Partner, 25 Prozent nach Asien, 15 Prozent nach Nahost. Größte Abnehmer waren die Türkei (14 Prozent), Griechenland (13), Südafrika (12) und Südkorea (11). U-Boote vom Typ 209 und 214, teils auch unter Lizenz in anderen Ländern gebaut, sorgten für den meisten Umsatz, zudem vor allem Panzerfahrzeuge, von denen Deutschland zwischen 2005 und 2009 mehr als 1700 an 21 Länder lieferte, zwei Drittel davon gebraucht. Insgesamt wurden 55 Länder mit deutschem Kriegsgut beliefert, darunter Malaysia (vier Fregatten), China, Taiwan, Indien, Iran, Israel, Vietnam und Venezuela, die alle Dieselmotoren für Panzerfahrzeuge bezogen.

Größter Waffenhändler ist weiterhin die USA mit einem Marktanteil von knapp 30 Prozent, mit Asien (Südkorea) und dem Nahen Osten (Israel, Arabische Emirate) als besten Kunden. Kriegsflugzeuge vom Typ F-16 und F-15 für diese drei Länder machten fast die Hälfte der Exporte aus. Russland, das für 23,5 Prozent des Waffenhandels steht, versorgte vor allem China und Indien. Auch in Afrika nehmen die russischen Lieferungen stark zu, Algerien rückte als erstes afrikanisches Land in die Liste der zehn größten Waffenkäufer auf. Bei den russischen Exporten hatten Kampfflieger des Typs Su-30 den größten Wert.

China importiert weniger, weil es immer mehr Waffen selbst produziert

Diese zunehmende Aufrüstung der Luftwaffen registriert Sipri mit Sorge. Die "potenziell destabilisierenden Waffensysteme" ließen ein Wettrüsten in Spannungsgebieten wie Nahost, Nordafrika, Südamerika und Südostasien befürchten. Rohstoffreiche Staaten hätten bedeutende Mengen teurer Kriegsflugzeuge erworben, und deren benachbarte Rivalen reagierten mit entsprechenden Aufträgen. "Man kann sich fragen, ob dies eine angemessene Nutzung der Ressourcen in Regionen mit großer Armut ist", kommentiert Poul Holtom, der Direktor des Sipri-Programms für Waffenhandel.

Unter den Waffenkunden wird sich die in der jüngsten Fünfjahresperiode nochmals ausgewiesene Spitzenposition Chinas rasch ändern. Dort ist das Umsteigen auf lokale Rüstungsproduktion voll im Gang. Hubschrauber aus Frankreich und Russland waren im Vorjahr Chinas einzige größere Waffenkäufe. 2005 sorgte China noch für 17 Prozent der globalen Rüstungsimporte, 2009 waren es nur noch 2,6 Prozent. Indien und Singapur führen die Liste an. Das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland ist Europas größter Waffenkäufer. Dramatischen Anstieg bei den Rüstungsimporten stellt Sipri in Südostasien und Südamerika fest, wo die Importe um 150 Prozent zunahmen. In Afrika konstatiert Sipri einen beunruhigenden Waffenstrom in die unstabilen Regionen im Nordosten des Kontinents.

Das unabhängige Sipri-Institut, 1966 von der schwedischen Regierung gegründet, zählt zu den renommiertesten Friedensforschungsinstitutionen der Welt. Beim Waffenhandel operiert Sipri nicht mit konkreten, sondern geschätzten Zahlen, weil internationale Geschäfte oft nicht mit Barbezahlung, sondern durch Kompensationsaufträge getätigt werden und gebrauchtes Rüstungsgut weit unter dem Realwert verschleudert wird.

Autor: Hannes Gamillscheg