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14. Januar 2009
Die Armee siegt, der Krieg dauert an
Sri Lankas Rebellen stehen militärisch vor der Niederlage / Zivilisten sind die Leidtragenden des Konflikts
COLOMBO. Der Bürgerkrieg in Sri Lanka scheint sich seinem Ende zu nähern; die Regierungstruppen rücken gegen die Rebellen vor. Zu leiden haben vor allem die Zivilisten der tamilischen Minderheit, von denen nach Einschätzung von Diplomaten im Nordosten Sri Lankas mindestens 200 000 in einem 30 mal 30 Kilometer großen Gebiet in der Umgebung der Ortschaft Mullaitivu eingeschlossen sind.
Das Gebiet wird rund um die Uhr aus der Luft und mit Artillerie bombardiert. Die genaue Zahl der eingekesselten Menschen kennt niemand, sie könnte nach Angaben aus der Hauptstadt Colombo aber sogar 400 000 Menschen umfassen. In der Dschungelregion findet gegenwärtig der Endkampf statt zwischen Truppen der nationalistisch singhalesischen Regierung unter Präsident Mahinda Rajapakse und den "Befreiungstigern" von Tamil Eelam (LTTE), die seit Mitte der 80er Jahre für einen Staat der Tamilen kämpfen."Es scheint ausgeschlossen, dass die Tiger sich militärisch von den Niederlagen der vergangenen Wochen noch erholen können", glaubt ein Diplomat in Colombo. "Die ganze Sache kann noch ein paar Tage oder noch ein paar Wochen dauern."
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Offiziell behauptet die Regierung von Mahinda Rajapakse, sie vermeide Verluste unter der Zivilbevölkerung. Aber die Tamilen, die vor der Offensive des singhalesischen Militärs geflohen sind, erfüllen nicht nur die Funktion menschlicher Schutzschilde für die "Tiger". Viele von ihnen flohen schon vor Jahren aus der Stadt Jaffna und gelten bei den Sicherheitskräften als treue Anhänger der LTTE.
Die knapp 5000 Tamilen, die während der blutigen Kämpfe der vergangenen Wochen aus dem Kriegsgebiet entkommen konnten, wurden von Sri Lankas Regierung in Lager rund um die Stadt Vavuniya interniert und werden überprüft. "Bis auf kleine Kinder und Greise stehen sie unter dem Generalverdacht, Anhänger der Tiger zu sein", heißt es bei regierungskritischen Kreisen in Colombo.
Gegenwärtig scheint jedoch nicht einmal die Regierung in Colombo zu glauben, dass der wahrscheinliche Militärsieg Frieden bringen wird. Armeechef General Sarath Fonseca erklärte vor einigen Wochen, dass selbst nach einem Triumph ein Jahrzehnte dauernder Guerillakrieg gegen die LTTE unter Führung von Velupillai Prabhakaran folgen würde.
Sri Lankas Regierung behauptet, der LTTE stünden nur noch rund 2000 Kämpfer zur Verfügung, 8000 seien bei Kämpfen gefallen. Die Angaben können nicht überprüft werden, zumal Colombo in all den Jahren des Bürgerkriegs nie eine genaue Vorstellung von der tatsächlichen Stärke der LTTE hatte. Colombo hält die Zahl der eigenen Verluste geheim. Aber in den Dörfern im Süden des Landes tauchte während der vergangenen Monate eine Unzahl von kleinen, schwarz geränderten Aushängen auf, in denen von Angehörigen der Tod gefallener Soldaten bekanntgegeben wurde.
"Es wird einen Siegerfrieden geben", glaubt ein Diplomat, "bei dem die Rechte der tamilischen Minderheit wohl kaum gleichberechtigt behandelt werden." Keine guten Aussichten also. Einen Vorgeschmack gibt der Umgang der Regierung Rajapakse mit singhalesischen Kritikern. In der vergangenen Woche wurde Lasantha Wickrematunga, der regierungskritische Chefredakteur der Wochenzeitung Sunday Leader, am helllichten Tag in Colombo ermordet. Vor seiner Beerdigung am Montag, bei der im Namen des diplomatischen Korps auch der deutsche Botschafter Jürgen Weerth sprach, veröffentlichte das Blatt das Vermächtnis, das der Journalist vor seinem Tod verfasst hatte: "Erst wird die Regierung uns Journalisten ermorden lassen, dann folgen die Richter", schrieb er. "Präsident Rajapakse wird nach meiner Ermordung die übliche Untersuchung einleiten. Aber meine Mörder werden nie gefasst werden."
Autor: Willi Germund


