Ein Duell der Gegensätze in Tschechien

dpa

Von dpa

Sa, 13. Januar 2018

Ausland

Präsident Milos Zeman will sich noch einmal wählen lassen / Sein Herausforderer ist Chemieprofessor Jiri Drahos.

PRAG (dpa). Bei der Präsidentenwahl in Tschechien könnten die Gegensätze kaum größer sein: Auf der einen Seite der bisweilen polternde Amtsinhaber Milos Zeman, der Ängste vor Muslimen und Flüchtlingen schürt und die EU schon einmal mit dem Warschauer Pakt vergleicht. Auf der anderen Seite als größter Herausforderer ein Chemieprofessor: Der 68-jährige Jiri Drahos pflegt als Wissenschaftler eher leise und nachdenkliche Töne.

Zeman, der mit 73 Jahren für eine zweite fünfjährige Amtszeit kandidiert, gibt sich siegessicher. Vor der ersten Wahlrunde am gestrigen Freitag und Samstag verzichtete sein Team auf Fernsehspots. Zeman hat in den vergangenen knapp fünf Jahren der Reihe nach alle Regionen des Landes besucht. Es ist eine Form des permanenten Wahlkampfs, bei dem er sich auf den Marktplätzen und in den Versammlungssälen unter die Menschen mischt. "Mit einer gewissen Übertreibung könnte man sagen, dass seine Wähler den Wählern Donald Trumps sehr ähnlich sind – sie leben typischerweise in einer kleinen bis mittelgroßen Stadt oder auf dem Land", sagt Jan Herzmann, in Tschechien ein gefragter Experte für Wahlforschung.

Mit dem neuen populistischen Regierungschef Andrej Babis bildet Zeman ein Machttandem. In einer einstündigen Rede vor den Abgeordneten unterstützte er kürzlich den Sieger der Parlamentswahl vom Oktober vor der Vertrauensabstimmung. Keine Überraschung daher, dass der Gründer der Ano-Bewegung, Babis, nur einen Tag später seine Wahlpräferenz für Zeman aussprach: "Ich werde ihn wählen, weil er eine der stärksten Persönlichkeiten seit 1989 ist und ein Mensch, der nicht klaut, der Ergebnisse vorweisen kann, Wort hält, durch die Regionen fährt und für die Politik lebt." Babis allerdings steht unter Betrugsverdacht, er soll EU-Gelder in Höhe von 1,6 Millionen Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Zeman blicke in den vergangenen Jahren eher nach Osten als nach Westen, sagt der Politologe Jiri Pehe. Erst im November war er in Sotschi mit Kremlchef Wladimir Putin zusammengekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hält er indes bis heute vor, die "illegalen Migranten eingeladen" zu haben. In seiner jüngsten Weihnachtsansprache warf Zeman der EU nicht zum ersten Mal vor, ihre Außengrenzen nicht ausreichend zu schützen. "Ich bin überzeugt, dass das Konzept der Migrationsquoten auf dem Müllhaufen der Geschichte landen wird", sagte er zu seinen Landsleuten vor den Fernsehgeräten. "Niemand darf uns diktieren, wen wir auf unser Territorium lassen."

Anders als Zeman ist sein größter Herausforderer Jiri Drahos kein Vollblut-Politiker. Der Name des Chemikers steht unter einem Dutzend Patenten. Sechs Jahre leitete er die Akademie der Wissenschaften zu Prag. Seine Kritiker vergleichen ihn mit "destilliertem Wasser" – farblos und ohne Geschmack. Aber: "Wenn jemand in der zweiten Wahlrunde Milos Zeman besiegen kann, dann nicht jemand, der selbst viele Anhänger hat, sondern jemand, der sich möglichst wenig Feinde gemacht hat", sagt Herzmann.

Flüchtlingsquoten seien eine "undurchdachte und schlechte Strategie" seitens der EU, sagt Drahos. Doch anders als dieser spricht er sich klar gegen ein Referendum über die tschechische EU-Mitgliedschaft aus. Und er wagt es, für die Einführung des Euro zu werben, obwohl laut einer jüngsten Umfrage 85,2 Prozent der Tschechen dagegen sind.

Die Agentur Medien sieht die Zustimmung für Zeman vor der ersten Runde bei 42,5 und für Drahos bei 27,5 Prozent. In der Stichwahl würde sich das Verhältnis hingegen umkehren – mit 44 Prozent für Zeman zu 48,5 Prozent für Drahos. Wer den Kurs in den nächsten fünf Jahren bestimmt, entscheidet sich spätestens in der Stichwahl am 26. und 27. Januar.