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19. Juni 2012
Einmal Hölle und zurück
Die frühere Hoffnungsträgerin der französischen Sozialisten, Ségolène Royal, muss eine vernichtende Niederlage verkraften.
PARIS. Sie ist tief gestürzt. In der Hölle ist Ségolène Royal gelandet. Weggefährten der Spitzensozialistin sagen das. Schlagzeilen des Figaro und des Parisien bestätigen es. Die bei den Parlamentswahlen am Sonntag vernichtend geschlagene frühere Präsidentschaftskandidatin hat damit nicht mehr viele Möglichkeiten. Sie kann sich in ihr Schicksal fügen, den nach dem Erdrutschsieg vom Sonntag himmelhoch jauchzenden Genossen und den eigenen politischen Ansprüchen adieu sagen. Oder aber sie kann versuchen, wie Phoenix aus der Asche aufzusteigen.
Wer die Anfang 2007 als "Madonna der Meinungsumfragen" und französische Staatschefin in spe Gefeierte am Sonntagabend in La Rochelle erlebt hat, weiß, dass die Entscheidung gefallen ist. Die Frau in Rot wird weiterkämpfen, auch wenn sie sagt, dass nun alles offen sei. In feuerroter Jacke, die Gesichtszüge wächsern, die Stimme brüchig, hatte sie in ihrem Wahlkreis zunächst die Niederlage eingeräumt. Sie war deutlich ausgefallen: 63 Prozent für den aus der PS ausgeschlossenen Dissidenten Olivier Falorni, 37 Prozent für die Präsidentin der Region Poitou-Charentes. Beide hatten prominente Fürsprecher aufgeboten. Während Staatschef François Hollande seiner früheren Lebensgefährtin Royal beistand und die Parteispitze desgleichen tat, hatte sich die derzeitige Lebensgefährtin Hollandes, Valérie Trierweiler, twitternd auf die Seite Falornis geschlagen. Fasziniert von dem Gedanken, die Spitzensozialistin spektakulär scheitern zu sehen, hatte die rechtsbürgerliche UMP ebenfalls Partei für den PS-Dissidenten ergriffen.
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Dem Eingeständnis der Niederlage folgte deren Deutung. "Das Wahlergebnis ist das Resultat eines politischen Verrats", sagte Royal und zitierte den Dichter Victor Hugo: "Der Verrat verrät immer den Verräter, eine schlechte Tat lässt einen niemals los." Ein Racheschwur war das. Die Enttäuschung, dass die bereits als künftige Parlamentspräsidentin Gehandelte ins Parlament nun nicht einmal einziehen wird, sitzt tief.
Zumal Royal mit ihrem Elend allein ist. Die Parteifreunde feiern den größten Triumph seit 1981. François Mitterrand hatte damals die absolute Mehrheit errungen. 31 Jahre später hat François Hollande es seinem politischen Ziehvater nachgetan. Auch fühlt sich Royal ja nicht nur von Falorni verraten und der ihn ermutigenden Première Dame. So mancher über Royals Ausscheiden Krokodilstränen vergießende Genosse dürfte im Hintergrund intrigiert, dem Lokalfürsten Falorni den Rücken gestärkt haben. Zu den Verdächtigen zählt Lionel Jospin. Der Ex-Premier hält wenig von der das Volk am Parteiapparat vorbei umgarnenden Sozialistin und hat dies in seinem Buch "Die Sackgasse" auch geschrieben.
Aber die 59-Jährige wird es allen zeigen. Bisher ist sie noch nach jeder Niederlage wieder aufgestanden. Sie hat die Präsidentschaftswahlen 2007 verloren, die Schlacht um den Parteivorsitz 2008, die Urwahl des Präsidentschaftskandidaten 2011. Jedes Mal ist sie mit einem "Jetzt erst recht!" ins nächste Gefecht gezogen. Als Nächstes dürfte sie die Parteispitze ins Visier nehmen. Die PS-Chefin Martine Aubry will ihr Amt im Herbst zur Verfügung stellen. Royal traut sich das zu. "Ich schließe das nicht aus." Einmal Hölle und zurück. Das ist ihr Plan.
Autor: Axel Veiel



