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11. August 2012
Feuerwehrmann ohne Fortune
Lakhdar Brahimi könnte Kofi Anann als Syrien-Sondergesandten ablösen / Erfolge kann der Krisendiplomat kaum vorweisen.
Kaum hat der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, entnervt seinen Job als Sondergesandter für Syrien hingeworfen, könnte die UNO einen weiteren Mann für schwierige Fälle aus ihrer Recycle-Maschine holen. Der 78-jährige ehemalige algerische Außenminister Lakhdar Brahimi ist ein alter Hase bei komplizierten diplomatischen Missionen. Leider war er selten erfolgreich. So ist Brahimi – neben der Regierung von George W. Bush – einer der Hauptverantwortlichen für die heutige, vermasselte Lage am Hindukusch in Afghanistan.
Denn der Greis, der Arabisch, English und Französisch spricht, war als Sonderbeauftragter für Afghanistan von 2001 bis 2004 nicht nur einer der wesentlichen Architekten der ersten Bonn-Konferenz. Er galt auch als wortgewandter Befürworter der Strategie des "kleinen Fußabdrucks". Mit möglichst geringer ausländischer Präsenz, so seine Idee und die Vorstellung der damaligen US-Regierung, sollte Afghanistan sich sozusagen selbst aus dem Sumpf ziehen, in dem es gelandet war.
Kenner des Landes warnten schon damals vor der leichtsinnigen Taktik. Aber Brahimi, der schon in den 90er Jahren vergeblich sein Glück als Sondergesandter für Afghanistan versucht hatte, agierte resolut: Er entfernte Kritiker aus dem UN-Dienst und nahm nur Mitarbeiter zur Bonn-Konferenz mit, die so gut wie keine Ahnung von den Verhältnissen am Hindukusch hatten.
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Inzwischen bereuen alle Strategen, sich jemals auf die Taktik des "kleinen Fußabdrucks" eingelassen zu haben. Schließlich ermöglichte sie das 2001 schier unvorstellbare Comeback der radikalislamischen Talibanmilizen, ohne deren Kooperation heute kein Friede in Afghanistan erreicht werden kann.
Doch wer so gründlich wie Brahimi als UN-Sondergesandter versagt, ist offenbar noch lange nicht aus dem Geschäft. Man schätzt seine alten Kontakte in die obersten Etagen arabischer Regierungen. Dabei wird in New York offenbar gerne übersehen, dass Brahimi im wesentlichen ein Diplomat im Dienste des Westens ist. Nicht nur in Afghanistan propagierte er die Politik der USA. Als Sondergesandter für Haiti und den Irak machte er sich wenig Freunde in Russland oder China.
Und deren Haltung kommt in der Syrien-Frage besondere Bedeutung zu. Denn wie Diplomaten in Asien deutlich machen, legen sich Moskau und Peking in der Syrien-Frage vor allem aus einem Grund quer. Sie haben nicht vergessen, wie übel die Nato und westliche Staaten ihnen beim Libyen-Konflikt mitgespielt haben. In Syrien, so haben sich Russland und China geschworen, soll der Westen nicht erneut eine gemeinsame Resolution als Rechtfertigung für eine bewaffnete Intervention ausnutzen können.
Brahimi dürfte sich als Sondergesandter in Syrien daher in dem komplizierten Konflikt wohl ebenso die Zähne ausbeißen wie sein Vorgänger Annan. Wird er tatsächlich dessen Nachfolger, wie in New York spekuliert wird, stünde Brahimi zumindest noch einmal ein paar Wochen im Scheinwerferlicht der internationalen Diplomatie.
Autor: Willi Germund



