Finanzielle Einbußen durch die Sexskandale

dpa,no

Von dpa & Peter Nonnenmacher

Mi, 14. Februar 2018

Ausland

Oxfam steht nach Bekanntwerden der Vorfälle unter Druck / Spender ziehen sich zurück / Missbrauch auch innerhalb der Organisation.

OXFORD (dpa/no). Wegen ihrer Sexskandale gerät die Hilfsorganisation Oxfam immer stärker unter Druck. Mitarbeiter sollen Frauen zu sexuellen Handlungen gezwungen haben – als Gegenleistung für Unterstützung in Notsituationen. Das berichtete eine ehemalige Oxfam-Topmanagerin dem britischen Fernsehsender Channel 4. Sie allein habe von drei Fällen sexuellen Fehlverhaltens binnen nur 24 Stunden gehört, berichtete Helen Evans. Dabei sei in zwei Fällen die Notlage der Frauen ausgenutzt worden. Evans kritisierte im Kurznachrichtendienst Twitter, dass Oxfam den Vorfällen nur ungenügend nachgegangen sei.

"Die Vorfälle sexuellen Fehlverhaltens von Oxfam-Mitarbeitern sind unentschuldbar und beschämend", teilte am Dienstag die Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, Marion Lieser, mit. "Es ist nicht zuletzt ein Schlag ins Gesicht für die vielen Menschen, die Oxfam mit Geld, Zeit oder Sachspenden unterstützen."

Nach Berichten über Sexpartys von Oxfam-Mitarbeitern mit Prostituierten in Haiti und im Tschad war am Montag die britische Vizechefin Penny Lawrence zurückgetreten. Sie übernahm damit die "volle Verantwortung" für das Verhalten von Mitarbeitern in der Karibik und in Afrika, auf das die Organisation nicht angemessen reagiert habe. "Haiti war kein isolierter Vorfall", betonte Evans auf Twitter. Zu ihren Aufgaben hatte von 2012 bis 2015 auch der Schutz vor sexueller Ausbeutung gehört. Eine interne Umfrage in einigen Ländern hatte ihren Angaben zufolge ergeben, dass einer von zehn Mitarbeitern selbst Opfer sexuellen Fehlverhaltens wurde oder solche Belästigungen und Übergriffe zumindest beobachtet habe. Oxfam-Chef Mark Goldring entschuldigte sich bei Evans, dass er nicht schnell genug auf ihre Hinweise reagiert habe.

Oxfam ist ein internationaler Zusammenschluss von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen und hat seinen Sitz in Oxford. Missbrauch soll angeblich auch in einigen Oxfam-Shops stattgefunden haben. Britische Zeitungen nannten dafür aber keine eindeutige Quelle. In den Secondhand-Läden verkaufen ehrenamtliche Teams Sachspenden. Die britische Ministerin für internationale Zusammenarbeit, Penny Mordaunt, forderte die Hilfsorganisation auf, nun moralische Führerschaft zu demonstrieren. Das Vertrauen in die Organisation müsse wiederhergestellt werden, sonst könnte die Regierung ihre Unterstützung kappen. Aus der EU-Kasse erhielt Oxfam bisher 32 Millionen Euro und aus dem Entwicklungshilfe-Ministerium in London 36 Millionen Euro im Jahr.

Haitis Botschafter in Großbritannien, Bocchit Edmond, bezeichnete es als "Beleidigung" für sein Land und Volk, dass Oxfam nicht sofort die sexuellen Übergriffe der Polizei gemeldet habe. Am Freitag hatte die Times berichtet, Oxfam-Mitarbeiter hätten während ihres Einsatzes nach dem Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 Sexorgien mit Prostituierten veranstaltet. Am Sonntag schrieb dann das britische Wochenblatt The Observer, im Tschad seien 2006 wiederholt mutmaßliche Prostituierte in das Haus des Oxfam-Teams eingeladen worden. Ein leitender Mitarbeiter sei damals wegen seines Verhaltens entlassen worden.

Oxfam meldete am Dienstag, dass zahlreiche bisherige Spender nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe ihre Daueraufträge storniert hätten.