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21. März 2017

Griechenland fürchtet Flüchtlingswelle

Mehr Zuwanderung aus Türkei.

ATHEN/ANKARA. Die Zahl der Flüchtlinge und Migranten, die aus der Türkei über die Ägäis zu den griechischen Inseln kommen, steigt seit Ende vergangener Woche stark an – wegen des milden Frühlingswetters? Oder macht die Türkei ihre Drohung wahr, den Flüchtlingspakt aufzukündigen? Allein in den vergangenen fünf Tagen jedenfalls kamen 566 Schutzsuchende über die Ägäis zu den griechischen Inseln Lesbos, Chios und Samos, so die offiziellen Angaben der griechischen Behörden vom Montagmittag. Damit hat sich die Zahl der Ankömmlinge gegenüber den ersten März-Wochen verdreifacht: Kamen bisher im Schnitt 35 Menschen pro Tag, waren es seit dem vergangenen Donnerstag mehr als 100 täglich.

37 130 Flüchtlinge wurden an der Überfahrt gehindert

In Griechenland wächst nun die Sorge, dass die türkischen Behörden den Schleusern wieder freiere Hand lassen. Die Regierung in Ankara hatte im Streit um die Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in der EU während der vergangenen Tage mehrfach gedroht, das vor einem Jahr geschlossene Flüchtlingsabkommen aufzukündigen. In dem Vertrag verpflichtete sich die Türkei, illegal nach Griechenland eingereiste Flüchtlinge und Migranten zurückzunehmen. Seit Inkrafttreten des Abkommens wurden allerdings nur rund 900 Menschen aus Griechenland in die Türkei zurückgebracht.

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Im vergangenen Jahr hatten die türkischen Behörden die Kontrollen an der Küste verschärft. 2016 wurden laut türkischer Küstenwache 37 130 Flüchtlinge an der Überfahrt gehindert. Zum Vergleich: Seit Inkrafttreten des Flüchtlingsabkommens kamen 27 711 Menschen nach Griechenland. Auf den griechischen Inseln hatte sich die Situation in den Flüchtlingslagern etwas entspannt, nachdem Flüchtlinge aufs Festland umgesiedelt wurden. Jetzt wird es durch die Neuankömmlinge wieder enger in den Camps. Den größten Andrang verzeichnete die Insel Chios mit 341 Ankünften seit Donnerstag. Weil die Lager belegt sind, müssen die Menschen in Zelten untergebracht werden.

Autor: Gerd Höhler