HINTERGRUND

dpa

Von dpa

Fr, 12. Oktober 2018

Ausland

Streit um die richtige Strategie

Dass die absolute Zahl der Hungernden seit drei Jahren wieder steige, findet Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) "ein Skandal. Denn unser Planet hat Potenzial, alle Menschen zu ernähren." Man müsse schnellstmöglich die Anstrengungen verstärken, Konflikte politisch zu lösen, wenn man den Kampf gegen den Hunger gewinnen wolle.
Der Minister müsse umdenken, forderte dagegen der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Christoph Hoffmann: "Wir brauchen weniger entwicklungspolitische Alleingänge und mehr Zusammenarbeit mit multilateralen Organisationen." Die Linke warf Müller vor, sich immer stärker auf wirtschaftlich aufstrebende Staaten zu konzentrieren, die für deutsche Unternehmen interessant seien. Für die ärmsten Länder – wo die meisten Hungernden lebten – gebe es hingegen immer weniger Geld. Die Grünen kritisierten, dass die Regierung den Kampf gegen den Hunger immer wieder hinter anderen Interessen zurückstelle.

Auch der Chef des UN-Welternährungsprogramms (WFP), David Beasley, rief zu mehr internationalen Anstrengungen auf. Der Krieg in Syrien und die Massenflucht von Zivilisten seien Beispiele dafür, welcher Preis für eine Vernachlässigung des Hungerproblems zu zahlen sei, sagte Beasley. "Einen Syrer in Syrien zu ernähren, kostet etwa 50 Cent am Tag, für denselben Syrer in Berlin oder München sind es 50 Euro am Tag", sagte Beasley, ein US-Politiker und früherer Gouverneur von South Carolina. "Für jedes Prozent Zunahme des Hungers gibt es eine Zunahme der Migration um zwei Prozent. Das gilt überall", sagte er.