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07. Mai 2009
"Ich will nicht umsonst eingesperrt gewesen sein"
Die US-Amerikaner Ray Krone und Terri Steinberg kämpfen gegen die Todesstrafe / Krone selbst saß mehrere Jahre unschuldig im Todestrakt
FREIBURG. Zehn Jahre saß er im Gefängnis, drei Jahre davon im Todestrakt. Unschuldig. Dass Ray Krone noch lebt, verdankt er einer DNA-Analyse. Sie überführte den wahren Mörder. Jetzt tourt der Mann Anfang 50 durch Deutschland. Er kämpft dafür, dass in seinem Heimatland USA die Todesstrafe abgeschafft wird. "Der Staat darf niemanden töten. Er darf sich nicht auf dasselbe Niveau begeben, wie ein Mörder, der sich herausnimmt über Leben und Tod zu entscheiden", sagt Ray Krone. Nach seinem Gespräch bei der Badischen Zeitung berichtete er am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung von Amnesty International und dem Carl-Schurz-Haus in Freiburg über seine Erfahrungen. Auch Terri Steinberg ist dabei, deren Sohn zum Tode verurteilt worden ist. "Er ist unschuldig", sagt sie.
Allein die hohe Fehlerquote spricht gegen die Todesstrafe. In den vergangenen 30 Jahren mussten in den USA 131 zum Tode Verurteilte freigelassen werden, weil ihre Unschuld später bewiesen werden konnte. Das sind rund zehn Prozent aller Todeskandidaten. Ray Krone war der 100. "Ich bin überzeugt, dass aber auch etliche der schon Hingerichteten keine Mörder waren", sagt Ray Krone.
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Während seines Prozesses hat er den Glauben an die US-Justiz verloren. Er wurde verurteilt, weil er ein Barmädchen in Phoenix, Arizona, vergewaltigt und ermordet haben soll. "Mein Mitbewohner hat bezeugt, dass ich mit ihm zum Tatzeitpunkt in der Wohnung war. Der Richter sagte, er wolle mich decken." Stattdessen glaubte das Gericht einem Gutachter, der eine Bisswunde am Opfer Ray Krone zuordnete. "Ich hatte schiefe Zähne vorne", berichtet Krone, der dies inzwischen korrigiert hat. Wie sich nach der Festnahme des Mörders herausstellte, hatte dieser einen ähnlichen Zahnschiefstand wie Krone. Eine Entschädigung erhielt der unschuldig Verurteilte nie: "Sie haben mich nur mit einem: ,Viel Glück‘ verabschiedet." Der Bundesstaat Arizona sieht Entschädigung in solchen Fällen nicht vor.
Auch Terri Steinberg ist überzeugt, dass bei der Verurteilung ihres Sohnes viel schiefgelaufen ist. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ihr damals 19-jähriger Sohn, der mit Marihuana handelte, in einer Auseinandersetzung im Drogenmilieu, den Auftrag zu einem Mord gegeben hatte. Der überführte Mörder hatte dies behauptet. "Unser Anwalt konnte das nicht widerlegen. Er war unerfahren, während der Staatsanwalt schon mehrere Prozesse mit abschließendem Todesurteil geführt hat", berichtet Terri Steinberg. "Wir konnten uns leider keinen guten Anwalt leisten. So einer hätte uns mindestens 100 000 Dollar gekostet." Dank ihrer Arbeit in Organisationen, die sich gegen die Todesstrafe engagieren, hat sie neuen Mut gefasst. Sie hat neue Zeugen aufgetan. Ihnen soll der Mörder gestanden haben, dass er ihren Sohn nur belastet hatte, um den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Tausende Unterschriften hat Terri Steinberg gesammelt, um das Verfahren neu aufzurollen. Auch Deutsche haben unterschrieben. Was für ein Druck auf der Mutter lastet, zeigt eine kleine Szene. Als sie vom Schicksal ihres Sohnes berichtet, wirft Ray Krone ein: "Wir müssen unsere Worte vorsichtig wägen. Sie können immer auch anders verwendet werden, als wir uns das wünschen." Allein diese Mahnung zur Besonnenheit bringt die Frau, die eben noch couragiert über die Missstände in der Justiz berichtete, aus der Fassung. Am Ende hat Terri Steinberg Tränen in den Augen. "Das Internet hat die Welt klein gemacht. Ein unbedachtes Wort kann schaden. Ich weiß, wovon ich rede", sagt Krone.
Tagtäglich berichtet er auf seinen Reisen von seinem Schicksal. "Man wird misstrauisch gegenüber den Menschen, wenn einem so etwas widerfährt. Mir hilft es, darüber zu reden." Und noch etwas liegt ihm am Herzen: "Ich brauche das Gefühl, nicht umsonst eingesperrt gewesen zu sein." An seinem Beispiel will er vor allem US-Amerikanern vor Augen führen, wie falsch die Todesstrafe ist. In Umfragen sprechen sich mehr als 50 Prozent seiner Landsleute für sie aus.
Weitere Informationen unter www.witnesstoinnocence.org und www.nicht-in-unserem-namen.de
Autor: Annemarie Rösch
