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25. April 2009
"Ich wünsche ihm einen guten Start ins Leben"
BZ-INTERVIEW mit einer Patenfamilie aus Gundelfingen und "ihrem" Patenkind im indischen Naya Jeevan.
Es trennen sie Tausende von Kilometern, und doch haben sie eine Verbindung zueinander: Paten und Kinder im Ausland. Ursula Mohr aus Gundelfingen ist seit 2004 Patin und unterstützt die Mädchen von Naya Jeevan. Die Gespräche führte Frauke Wolter.
BZ: Frau Mohr, warum haben Sie sich für eine Patenschaft bei "Wasser ist Leben" entschieden?Mohr: Wir haben das Projekt über die Hebel-Schule in Gundelfingen kennengelernt. Es hat uns beeindruckt, weil es so solide ist und man es sich vorstellen kann, was dort in Indien getan wird. Unsere Kinder waren auch ganz begeistert. Unser Sohn hat sogar einmal von sich aus mit seinem Freund Muffins gebacken und sie verkauft, um Geld zu sammeln. Wir sind sicher, dass dieses Geld ankommt: Die Organisation ist nicht so groß, da muss man keine Angst haben, dass etwas versackt.
BZ: "Wasser ist Leben" vermittelt nur anonyme Patenschaften – stört Sie das?
Mohr: Nein. Sicher wäre es schön, man hätte ein persönliches Patenkind, aber diese Verantwortung wäre sehr groß. Mit einer anonymen Patenschaft dagegen unterstütze ich gleich mehrere Kinder.
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Mohr: Wir haben uns als Familie einmal für eine Patenschaft entschieden. Seither läuft unsere monatliche Überweisung von 35 Euro automatisch.
BZ: Haben Sie Kontakt zu den Kindern?
Mohr: An Ostern und zu Weihnachten bekommen wir von ihnen Briefe. Manchmal fühle ich mich regelrecht beschämt, dass sie sich so überschwänglich für unsere Hilfe bedanken. Ich gebe doch gar nicht so viel, denke ich dann . . . Von dem Verein gibt es zudem regelmäßig Rückmeldung und Informationen, wofür unser Patenschaftsgeld eingesetzt wird.
BZ: Haben Sie – auch angesichts der Wirtschaftskrise – darüber nachgedacht, Ihre Patenschaft zu beenden?
Mohr: Nein. Der Betrag, den wir spenden ist ja, wenn man es auf die täglichen Ausgaben umrechnet, eigentlich sehr gering. Die Wirtschaftskrise betrifft uns persönlich zum Glück noch nicht so sehr. Aber auch bei stark sinkender Konjunktur wird es uns – und damit meine ich nicht nur meine Familie, sondern unsere Gesellschaft –, immer noch um ein Vielfaches besser gehen, als den Mädchen, die von Wasser ist Leben betreut werden. Daher ließe sich ein Abbruch der Patenschaft wohl nicht rechtfertigen.
BZ: Haben Sie eine Botschaft an "Ihr" Patenkind?
Mohr: Ich wünsche ihm eine gute Ausbildung und einen guten Start in ein selbstständiges Leben. Wir hoffen, dass wir dazu einen Beitrag leisten können.
BZ: Ujwala, seit wann lebst du in dem Kinderheim Naya Jeevan?
Ujwala: Seit der ersten Klasse. Meine drei Schwestern sind auch hier, denn unsere Mutter ist krank. Sie hat Lepra und kann nicht allein für uns sorgen. Mein Vater ist gestorben.
BZ: Was gefällt dir hier besonders gut?
Ujwala: Dass ich in die Schule gehen kann. Mein Lieblingsfach ist Mathematik. Und dass ich hier so viele Freundinnen habe. Am liebsten spielen wir fangen zusammen.
BZ: Wie sieht dein Tag aus?
Ujwala: Morgens und am Nachmittag gehen wir in die Schule; dazwischen ist Zeit zum Lernen, aber auch zum Spielen. Jedes Mädchen in unserem Haus hat außerdem bestimmte Aufgaben; zum Beispiel fegt eine Gruppe den Schlafraum, eine andere spült unser Essgeschirr oder hilft die Klos zu putzen.
BZ: Was möchtest du einmal werden?
Ujwala: Krankenschwester. Dann kann ich mich um meine Mutter kümmern und ihr die Medizin geben.
BZ: Möchtest du deinen Paten etwas ausrichten?
Ujwala: Danke für ihre Hilfe! Und dass ich für sie bete.
Autor: fwo
