In manchen Ländern wird der Hunger bleiben

Frauke Wolter

Von Frauke Wolter

Fr, 12. Oktober 2018

Ausland

BZ-INTERVIEW mit Simone Pott, Pressesprecherin der Welthungerhilfe, über die Strategien für mehr Ernährungssicherheit.

Manche Länder sind erfolgreich im Kampf gegen den Hunger, andere nicht. Warum das so ist, darüber sprach Frauke Wolter mit der Pressesprecherin der Welthungerhilfe, Simone Pott.

BZ: Frau Pott, einige Länder haben im Kampf gegen den Hunger Fortschritte zu verzeichnen – was machen sie besser?
Pott: Diese Staaten fördern gezielt ihre ländlichen Gebiete. Äthiopien und Bangladesch beispielsweise haben staatliche Sozialprogramme aufgelegt und stärken des Weiteren ihre Infrastruktur, also Straßen und Märkte. In Äthiopien gibt es zudem einen Index für Dürre; wird eine bestimmte Schwelle unterschritten, läuft sofort die Nothilfe für die Betroffenen an. Diese Programme sind übrigens nicht abhängig von internationaler Hilfe.
BZ: Solche Maßnahmen werden von Experten schon lange empfohlen – warum werden sie jetzt auch umgesetzt?
Pott: Das hat auch mit dem Selbstbild der Länder zu tun. Äthiopien beispielsweise hatte schon immer ein Nahrungsdefizit. Inzwischen aber entwickelt sich das Land wirtschaftlich stark; es will Vorzeigeland, der "Tiger" Afrikas sein. Da sind Meldungen über Hunger schädlich. Man hat gelernt, dass Ernährungssicherheit Vorteile hat und dass Gelder für staatliche Programme sich auszahlen.
BZ: Das heißt aber auch, dass in anderen Ländern, in denen Kriege herrschen, weiterhin gehungert werden wird?
Pott: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Vertreibung und Hunger. Wir lernen, dass in Ländern mit kriegerischen Konflikten wie in Somalia, im Südsudan oder dem Kongo eher Hunger herrscht. Und das bleibt wahrscheinlich auch in Zukunft so. Wie groß der Einfluss von Konflikten ist, zeigt sich auch am Beispiel von Syrien. Dort gab es vor dem Bürgerkrieg ein bestimmtes Niveau an Bildung und Infrastruktur. Inzwischen ist Syrien auf den Stand eines Entwicklungslandes gefallen. 13 Millionen Syrer sind auf Hilfe von außen angewiesen.
BZ: Die Welthungerhilfe und auch andere Organisationen weisen immer wieder darauf hin, dass die internationale Staatengemeinschaft nicht genug Geld gibt, um den Hunger effizient zu bekämpfen. Wieso gibt es diese Ignoranz?
Pott: Es fehlt der Wille, mehr bereitzustellen, weil Länder wie der Südsudan nicht in unserem Fokus stehen. Sie haben keine politische Priorität. Man hofft offenbar, mit ein wenig humanitärer Hilfe das Problem zu lösen – solange die Flüchtlinge aus diesen Ländern nicht bei uns sind.
BZ: Aber die Weltgemeinschaft hat doch gemeinsam beschlossen, den Hunger bis 2030 abzuschaffen ...
Pott: Da gibt es große Widersprüche zwischen den Ankündigungen und der Umsetzung. Wir sind dafür da, darauf hinzuweisen.

Simone Pott (53) ist Leiterin der Stabsstelle Kommunikation und Pressesprecherin der Welthungerhilfe.