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17. Juli 2010

Iraner soll für die CIA gearbeitet haben

Der Atomphysiker Amiri ist inzwischen in den Iran zurückgekehrt / Noch viele Unklarheiten.

  1. Amiri mit seinem Sohn bei seiner Ankunft in Teheran Foto: DPA

WASHINGTON. Der nach eigenen Angaben vom US-Geheimdienst entführte iranische Atomphysiker Schahram Amiri hat nach Informationen der New York Times jahrelang Informationen an die CIA weitergegeben. Amiri habe Offizieren des US-Auslandsgeheimdienstes jahrelang über das iranische Nuklearprogramm berichtet, als er noch im Iran gewesen sei, berichtete die Zeitung am Freitag unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung. Der Forscher habe bedeutende Informationen über geheime Aspekte des Programms weitergegeben.

Die Geschichte Amiris klingt abenteuerlich und verwirrend: Der Physiker war im Juni 2009 bei einer Pilgerreise nach der Ankunft in Saudi-Arabien verschwunden. Nach Angaben iranischer Medien erforschte er Radioisotope für medizinische Zwecke. Wieder aufgetaucht war Amiri dann im vergangenen Juni: In einer ersten Videobotschaft auf Youtube gab Amiri an, dass die CIA ihn im Verbund mit dem saudischen Geheimdienst gekidnappt und in die USA verschleppt habe. "Ich wurde betäubt und wachte in den USA wieder auf." Dort sei er während der vergangenen Monate unter massiven psychologischen Druck gesetzt worden.

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Unmittelbar darauf erschien ein zweites Video, diesmal professionell mit CIA-Unterstützung gemacht, in dem Amiri in ruhigem Ton und in behaglichem Ambiente zwischen Globus und Bücherwand versicherte, freiwillig in den USA zu sein. Dann tauchte Ende Juni ein drittes Video auf: "Ich bin nicht freiwillig hier." Anfang der Woche wiederum tauchte Amiri früh am Abend vor einer Außenstelle der pakistanischen Botschaft in Washington auf, die die Interessen des Irans in den USA wahrnimmt, und bat um ein Flugticket nach Hause. Am Donnerstag landete er schließlich in Teheran.

Man kann sich die Verärgerung ausmalen, die Amiris neuerlicher Seitenwechsel bei der CIA, aber auch im Weißen Haus auslöste. Offiziell wies Washington alle Vorwürfe Amiris zurück, gegen seinen Willen in die USA verschleppt worden zu sein. Er habe freiwillig gewechselt. Über detaillierte Kenntnisse des iranischen Atomprogramms verfügte Amiri zwar wohl nicht. Doch den jungen Wissenschaftler, der über radioaktive Belastungen bei Beschäftigten in Kernforschungsanlagen forschte, den Mullahs abspenstig gemacht zu haben, war allemal ein Coup. Amiri hat ihn nun mit seiner Heimkehr durchkreuzt.

In den Weiten Arizonas, bei Tuscon in der Nähe der mexikanischen Grenze, hatten CIA-Spezialisten anscheinend Amiris Wissen abgefragt und ihn in ein spezielles Schutzprogramm aufgenommen. Doch seit dem Frühjahr, so US-Offizielle, wuchs wohl Amiris Sorge um seine Ehefrau und den siebenjährigen Sohn. Teheran soll massiven Druck auf Amiris Ehefrau ausgeübt haben, ihren Mann zur Rückkehr zu bewegen. Die Beschuldigungen, entführt worden zu sein, müssten vor diesem Hintergrund gesehen werden, hieß es. "Ich habe niemals etwas gegen mein Heimatland unternommen", hatte Amiri in seiner zweiten Videobotschaft nachdrücklich versichert.

"Iraner scheuen sich nicht, Familien zu benutzen, um Leute unter Druck zu setzen", zitierte die Washington Post einen US-Geheimdienstler. Dass Amiri seine Botschaften bei Youtube platzieren und überdies ungehindert Pakistans Vertretung im Norden Washingtons aufsuchen konnte, "straft alle Behauptungen Lügen, er sei gefangengehalten worden". Ob nun die Führung in Teheran dem Heimkehrer glaubt, darf bezweifelt werden.

Autor: Joachim Rogge