Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. August 2017

IS inszeniert Schwäche als "Demonstration der Stärke"

Die Terrormiliz will ihre militärischen Niederlagen in Syrien und im Irak mit Attentaten in Europa kompensieren.

Die Bilder aus Mossul sind gerade erst verblasst. Jubelnd feuerten irakische Soldaten Salven in die Luft und feierten nach acht Monaten härtester Straßenkämpfe ihren Sieg über die Terrormiliz Islamischen Staat (IS). Parallel dazu drangen in der syrischen IS-Hochburg Rakka die alliierten Angreifer inzwischen bis ins Stadtzentrum vor. Insgesamt haben die Anhänger von Abu Bakr al-Baghdadi zwei Drittel ihres einstigen Territoriums in Syrien und im Irak verloren. Doch die Anschläge von Barcelona und Cambrils zeigen, wie zuvor die Mordtaten in London, Manchester, Nizza, Brüssel, Paris und Berlin, dass der IS mit einem militärischen Erfolg auf dem nahöstlichen Schlachtfeld keineswegs besiegt ist. Im Gegenteil – für Europa könnten nach einem Ende des "Islamischen Kalifates" die Terrorgefahren an Brisanz gewinnen.

In ihrem einstigen Herrschaftsgebiet befindet sich die Terrormiliz in einer für sie verheerenden Abwärtsspirale, die in absehbarer Zeit weder in Syrien noch im Irak gestoppt werden kann. Es fehlen die so blutig inszenierten Offensiv- und Abwehrerfolge, mit denen der IS sich früher brüstete und neue Aktivisten mobilisieren konnte. Wie andere dschihadistische Gruppierungen ist daher auch der IS dazu übergegangen, mit Terroranschlägen in Europa und anderswo die vielen Niederlagen im Nahen Osten zu kompensieren. Experten befürchten, dass sich dieser Trend noch verstärken wird. Um Aufmerksamkeit zu finden, müssen die islamistischen Extremisten ihre Gewalt steigern – was mit vergleichsweise "einfachen Mitteln" nun in Europa demonstriert wird. Was in Wirklichkeit nichts anderes als ein Zeichen der Schwäche ist, inszeniert die Terrormiliz dann – in Barcelona und anderswo – als eine "Demonstration der Stärke".

Werbung


Gerade einmal drei Wochen ist es her, seitdem Interpol eine Liste mit den Namen von 173 IS-Kämpfern verschickt hatte, die eigens für Selbstmordanschläge und ähnliche Operationen trainiert wurden. Erklärtes Ziel der Terroristen sei es, Rache für die internationalen Militäreinsätze im Irak und Syrien zu nehmen, an denen neben den USA auch Australien, Belgien, Großbritannien, Jordanien, Italien, Kanada und Deutschland direkt beteiligt sind.

Spanien hat – wie fast alle demokratischen Staaten der Welt – seine Unterstützung im Kampf gegen den IS betont. 180 "dschihadistische Terroristen" konnten nach Angaben des Madrider Innenministeriums seit 2015 festgenommen werden. Die meisten kamen aus Nordafrika. Die Dschihadisten hätten sich unter Flüchtlinge mischen können, deren Zahl sich in Spanien seit Jahresbeginn auf 9000 verdreifacht hat. Und auch die Propagandaabteilung des IS hat offenbar erkannt, dass sie auf der Iberischen Halbinsel neue Anhänger mobilisieren und anstacheln kann: Die IS-Webseiten wurden nun auch ins Spanische übersetzt.

Autor: Michael Wrase und Martin Gehlen