Abstimmungen

Italiens Provinzen wollen mehr Autonomie

Julius Müller-Meiningen

Von Julius Müller-Meiningen

So, 22. Oktober 2017 um 23:39 Uhr

Ausland

Sezessionsbewegungen in Europa haben Konjunktur, wie am Beispiel Katalonien zu sehen ist. Mit der Kraftprobe zwischen Madrid und Barcelona haben zwei Abstimmungen in Italien, die am Sonntag stattfinden, aber wenig gemeinsam.

Am 22. Oktober 1866 stimmte die Bevölkerung Venetiens mit überwältigender Mehrheit für den Anschluss an das damalige Königreich Italien. Am Sonntag nun, exakt 151 Jahre später, könnte sich die italienische Region Venetien hingegen ein Stück weit von der Republik Italien emanzipieren. Das ist zumindest die Hoffnung von Luca Zaia, Gouverneur der Region. Auch sein Kollege Roberto Maroni aus der Lombardei lässt an diesem historischen Tag abstimmen.

Sezessionsbewegungen in Europa haben Konjunktur, wie am Beispiel Katalonien zu sehen ist. Mit der Kraftprobe zwischen Madrid und Barcelona haben die beiden Abstimmungen in Venetien und der Lombardei jedoch nur wenig gemeinsam. Es geht nicht um ein Mandat zur Erklärung der staatlichen Unabhängigkeit, sondern um das Streben der beiden Regionen nach mehr Autonomie vom italienischen Zentralstaat. "Willst Du, dass die Region Venetien zusätzliche Formen und spezielle Bedingungen von Autonomie erhält", lautet die Frage, die etwa vier Millionen Veneter am Sonntag mit "Ja" oder "Nein" beantworten dürfen. Die Abstimmungsfrage in der Lombardei klingt komplizierter, meint aber Ähnliches.

Es sei etwa so, als ob man Kinder frage, ob sie Mama und Papa lieb haben, spöttelte der Politologe Luigi Pandolfi. Beinahe alle Parteien haben sich für das "Ja" ausgesprochen, der Sieg der Befürworter gilt als sicher. Die Sorge, die Referenden könnten einen institutionellen Konflikt wie in Katalonien auslösen, versuchten die Initiatoren schon zuvor zu zerstreuen.