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27. Februar 2010 00:05 Uhr
Dänemark
Kniefall vor Mohammed?
Die dänische Zeitung "Politiken" hat sich für den Abdruck der umstrittenen Mohamed-Karikatur bei den Muslimen entschuldigt. Dafür hagelt es in Dänemark nun Kritik.
Wer den Text des "Vergleichs" zwischen Politiken und einem saudiarabischen Anwalt allerdings genauer studiert, findet deutliche Parallelen zu den beschwichtigenden Worten, die auf dem Höhepunkt der Karikaturenkrise selbst Hardliner wie der damalige Premier Anders Fogh Rasmussen und die Zeitung Jyllands-Posten fanden. Jyllands-Posten hatte 2005 durch den Abdruck von zwölf Mohammed-Zeichnungen den Konflikt ausgelöst.
Besonders umstritten war die Karikatur des Zeichners Kurt Westergaard, der Mohammed mit einer Bombe im Turban abbildete, um die Verbindung von radikalem Islamismus und Terror anzuprangern. Als die Polizei vor zwei Jahren ein Mordkomplott gegen Westergaard aufdeckte, druckten elf dänische Zeitungen, unter ihnen Politiken, seine Zeichnung erneut. Politiken hält daran fest, dass dies nur dazu diente, den Bericht über die Attentatspläne zu veranschaulichen, erkennt aber an, dass sich Muslime gekränkt fühlten. Der saudiarabische Anwalt Faisal Yamani hatte die Entschuldigung im Namen von acht Organisationen gefordert, die angeben, 94 923 Nachkommen des Propheten Mohammed zu vertreten. Andernfalls drohte er den elf Zeitungen Prozesse an. Politiken entschuldigt nicht den Abdruck, sondern nur die dadurch ausgelöste Kränkung, und verzichtet nicht auf das Recht, die Zeichnung bei Bedarf wieder zu bringen.
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Dennoch: Politiken gehe "viel weiter als wir träumen könnten", meint Jyllands-Postens Chefredakteur Jørn Mikkelsen. "Politiken entschuldigt sich vor Moslems aus aller Welt für eine Zeichnung, die man zu drucken berechtigt war", sagt Lisbeth Knudsen, die Chefin von Berlingske Tidende. Beide bedauern, dass Seidenfaden ausschert, statt in gemeinsamer Front die Prozesse abzuwarten. Zeichner Westergaard wirft Politiken die Aufgabe der Meinungsfreiheit vor und sieht eine Tendenz, dass man in Dänemark immer mehr mit muslimischem Maßstab messe.
Noch viel härter ist die Tonlage der Politiker aus allen Lagern. "Warum sollen wir Buckel und Kratzfuß machen? Kränkungen gibt es in den Medien tagtäglich, so ist das mit der freien Presse", sagt die sozialdemokratische Parteichefin Helle Thorning-Schmidt. "Über Meinungsfreiheit kann man nicht verhandeln", ergänzt der Sozialist Willy Søvndal. Pia Kjærsgaard, Chefin der Islam-feindlichen Dänischen Volkspartei, sagt, ihr fehlten die Worte, um die Absurdität der Erklärung zu beschreiben. "Tief, tief peinlich" sei diese Unterwerfung unter eine muslimische Doktrin. Sie fordert die übrigen Zeitungen auf, die Mohammed-Karikaturen demonstrativ erneut abzudrucken – wozu allerdings keine Lust hat.
Auch nach dem aktuellen Attentat auf Westergaard zu Jahresbeginn verzichteten die Zeitungen auf einen Nachdruck. Und schon im Februar 2006, als die Karikaturenkrise auf dem Höhepunkt war, versuchten selbst die härtesten Verfechter der Meinungsfreiheit, die Wut zu dämpfen. Jyllands-Posten druckte damals eine Erklärung ab, in der man bedauerte, wenn sich Muslime gekränkt fühlten. Premier Rasmussen erklärte sich "zutiefst betrübt", dass viele Moslems die Zeichnungen als Beleidigung des Propheten empfänden. Die geforderte Entschuldigung für den Abdruck gab es hingegen nicht. So entsprechen die damaligen Stellungnahmen genau dem Inhalt des Vergleichs zwischen Politiken und den "Nachkommen des Propheten" – nur dass diesen diesmal das Bedauern genügt.
Autor: Hannes Gamillscheg
