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15. November 2017 00:00 Uhr

Paris

Macron will die Vorstädte sanieren lassen

Frankreichs Staatschef Macron hat eine der ärmsten Gemeinden des Landes aufgesucht und Pläne zur Sanierung der von Arbeitslosigkeit und Zuwanderung geprägten Vorstädte präsentiert.

  1. Der französische Präsident Emmanuel Macron lächelt in Tourcoing anlässlich eines Besuchs zum Thema Stadtplanung. Foto: dpa

Seine Kritikern schmähen ihn als "Präsident der Reichen". Doch nun hat Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron eine der ärmsten Gemeinden des Landes aufgesucht und dort Pläne zur Sanierung der von Arbeitslosigkeit und Zuwanderung geprägten Vorstädte präsentiert. Im nordfranzösischen Tourcoing versprach er den Banlieue-Bewohnern mehr Sicherheit, mehr Jobs und weniger Diskriminierung. So soll die bereits beschlossene landesweite Aufstockung der Polizei um 10 000 Beamte vor allem Problemvierteln zugutekommen.

Um die Erwerbslosigkeit einzudämmen, will der Präsident die bevorzugte Beschäftigung von Bewohnern benachteiligter Viertel finanziell honorieren. Im neuen Jahr soll der Abschluss eines unbefristeten Arbeitsvertrags mit einem Bewohner der Banlieue einer Firma 15 000 Euro Prämie eintragen. Auch will der Staatschef gegen die Diskriminierung von Immigranten vorgehen. Firmen, die gegen das Gebot der Gleichbehandlung am Arbeitsplatz verstießen, würden öffentlich bloßgestellt, kündigte Macron an.

Ein Programm für 1524 Problemviertel

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Der Präsident machte auch deutlich, dass der Staat allein die Probleme der Vorstädte nicht lösen könne. Es bedürfe einer gemeinsamen Anstrengung von Staat, Kommunen, Hilfsorganisationen, Unternehmen und Intellektuellen, um der "immensen Herausforderung angemessen zu begegnen". Als Nutznießer des angekündigten Programms sind die 1514 ärmsten Vorstädte des Landes ausgewiesen.

Die Erwerbslosenquote ist dort mit 25 Prozent 2,5 Mal so hoch wie im übrigen Land. Der Anteil der unterhalb der Armutsgrenze Lebenden erreicht teilweise 40 Prozent. Ob ärztliche Versorgung, Kinderbetreuung oder Wohnraum: Frankreichs Vorstädte sind deutlich schlechter versorgt als der Rest des Landes. Auch sehen sich Immigranten und ihre Nachfahren wegen ihrer Abstammung benachteiligt – das haben 17 Prozent der Banlieue-Bewohner in einer Umfrage angegeben.

Macrons Einsparungen wie eine Kürzung des Wohngeldes oder die Streichung staatlich subventionierter Jobs waren in den Vorstädten besonders schlecht angekommen. Die Gedenkfeierlichkeiten zum zweiten Jahrestag der Pariser Terroranschläge vom 13. November 2015 hatten die Nation am Montag zudem schmerzlich daran erinnert, dass fast alle Attentäter in der Banlieue aufgewachsen waren.

Autor: Axel Veiel