Weltflüchtlingstag

Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie 2017

dpa, kna

Von dpa & kna

Mi, 20. Juni 2018 um 15:18 Uhr

Ausland

Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni zieht das UN-Hilfswerk eine ernüchternde Bilanz. 2017 war ein Negativrekordjahr. Die Menschen flüchten vor allem in arme Länder.

Nie sind weltweit so viele Menschen auf der Flucht gewesen wie 2017. Insgesamt gab es 68,5 Millionen Vertriebene, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag berichtete. 40 Millionen sind Binnenflüchtlinge, im Ausland leben 19,9 Millionen Flüchtlinge unter UNHCR-Mandat und rund 5,4 Millionen Palästinenser unter UNRWA-Mandat, 3,1 Millionen sind asylsuchend. Die reichen Länder seien dabei weniger betroffen. Laut UNHCR-Chef Filippo Grandi hätten 85 Prozent der Geflüchteten nahe ihrer Heimat in ärmeren Ländern Zuflucht gefunden. Deutschland beherbergte im vergangenen Jahr 970 400 Vertriebene – das ist im weltweiten Vergleich Platz sechs. Der Libanon nahm gemessen an der Bevölkerung am meisten Flüchtlinge auf. Nach Deutschland kamen im vergangenen Jahr 186 644 Asylsuchende, fast 100 000 weniger als 2016. Auch im ersten Quartal 2018 ist die Zahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 16 Prozent gesunken. Von denen, die über Grenzen flohen, stammten laut UNHCR fast 70 Prozent aus fünf Ländern: Syrien, Afghanistan, Südsudan, Myanmar und Somalia.

Die größten Fluchtkrisen 2017

  • Syrien: Der Krieg in Syrien hat zur weltweit größten Flüchtlingskatastrophe geführt. Ende 2017 hatten mehr als 6,3 Millionen Menschen das Land verlassen. Die meisten flohen in die Nachbarländer Türkei, Libanon und Jordanien. Mit den Binnenflüchtlingen sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration rund elf Millionen Syrer betroffen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung.
  • Kongo: Neue Konflikte im zentralafrikanischen Riesenreich Kongo haben 2017 eine Massenflucht ausgelöst. Die Zahl der Binnenflüchtlinge verdoppelte sich auf rund 4,4 Millionen. Ende 2017 waren über 620 800 Kongolesen ins Ausland geflohen, etwa die Hälfte sind Kinder. In diesem Jahr sind es schon 750 000. Umgekehrt nahm das Land 2017 fast 540 000 Flüchtlinge aus anderen Staaten auf.
  • Afghanistan: Ende 2017 zählte das UNHCR 2,6 Millionen ins Ausland geflohene Afghanen. Viele gingen nach Pakistan, in den Iran und nach Europa. In Afghanistan selbst gibt es unzählige Binnenvertriebene. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 450 000 Menschen aus ihren Dörfern und Städten vertrieben; seit Jahresanfang 2018 flohen weitere 100 000 Menschen.
  • Südsudan: Das jüngste Land der Welt ist Schauplatz massiver Vertreibung. Jeder dritte Südsudanese ist wegen der Gewalt in dem ostafrikanischen Bürgerkriegsland auf der Flucht. Rund 2,4 Millionen flohen in Nachbarländer. Fast zwei Drittel der Flüchtlinge sind Kinder. Im Land selbst sind knapp zwei Millionen Menschen auf der Flucht.
  • Jemen: Beim Bürgerkrieg im Jemen spricht die UNO von der weltweit größten humanitären Katastrophe. Drei Viertel der Bevölkerung sind auf Hilfe von außen angewiesen und zwei Millionen waren zur Jahreswende Binnenvertriebene. 200 000 Jemeniten sind ins Ausland geflohen. Doch noch mehr Menschen fliehen aus anderen Ländern in den Jemen: Sie kommen über die Meerenge vom Horn von Afrika. Viele versuchen dann, in die reichen Golfstaaten weiterzukommen.
  • Bangladesch: Als am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise der Welt bezeichneten die Vereinten Nationen 2017 die Lage der Rohingya, die nach Einschätzung der UNO Opfer einer ethnischen Säuberung wurden. Innerhalb weniger Wochen flohen mehr als eine halbe Million Angehörige der muslimischen Minderheit aus Myanmar ins Nachbarland Bangladesch – eines der ärmsten und am dichtesten besiedelten Länder der Welt. Dort harren jetzt fast eine Million Rohingya aus.
  • Venezuela: Angesichts der humanitären Krise in Venezuela verlassen immer mehr Menschen das Land. 1,6 Millionen Venezolaner leben nach IOM-Angaben bereits im Ausland. Die venezolanische Opposition geht von bis zu vier Millionen aus. Der Flüchtlingsstrom hält weiter an: Laut einer Gallup-Studie wollen 41 Prozent ihre Heimat verlassen.