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19. August 2017 00:00 Uhr

Weißes Haus

Rausschmiss des Chefstrategen Steve Bannon

Der politische Chefstratege des US-Präsidenten verlässt das Weiße Haus. Steve Bannons Abschied erfolgt offiziell in gegenseitigem Einvernehmen. Trump dürfte seiner Linie dennoch treu bleiben.

  1. Stephen Bannon räumt seinen Platz im Weißen Haus. Foto: afp

Es hat sich angedeutet, weil auch die oft so riesenhafte Welt des Donald Trump nach innen enge Grenzen hat. Steve Bannon, politischer Chefstratege des US-Präsidenten, verlässt das Weiße Haus. Der eisgraue Mann galt schon öfter als angezählt, war aber ein Stratege mit sieben Leben. In der letzten Runde waren seine Gegner wohl zu stark. Am Freitagabend gab das Weiße Haus sein Ausscheiden bekannt.

"Wir danken ihm für das Geleistete und wünschen ihm das Beste", heißt es in einer Erklärung von Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Stabschef John Kelly und Bannon hätten sich auf den Rücktritt des bisherigen Chefberaters geeinigt. Er hatte demnach am Freitag seinen letzten Arbeitstag im Weißen Haus.

Es ist das Ende eines lange schwelenden Konflikts, der sich in den vergangenen drei Wochen zugespitzt hatte. John Kelly, der Stabschef des US-Präsidenten, soll sich besonders energisch für die Entlassung des Rechtsnationalisten ausgesprochen haben. Der Ex-General sah in Bannon, so berichten es US-Medien, einen Störfaktor, der diszipliniertes Arbeiten in der Regierungszentrale nahezu unmöglich machte.

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Auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gilt als scharfer Widersacher des 63-Jährigen. Zudem hatten sich führende Köpfe der Republikanischen Partei für den Rauswurf des populistischen Präsidentenberaters ins Zeug gelegt. Aus ihrer Sicht zählt Bannon nicht nur zu den geistigen Brandstiftern der Krawalle von Charlottesville. Sie machen ihn obendrein mit dafür verantwortlich, dass Trump die extreme Rechte hinterher auf eine moralische Stufe mit Demonstranten stellte, die gegen den Aufmarsch von Neonazis und des Ku-Klux-Klans in der Universitätsstadt in Virginia protestierten.

Noch nie seit seiner Vereidigung war der Präsident auf derartig heftigen Widerspruch in den Reihen der Republikaner gestoßen wie in dieser Woche. So gesehen verspricht sich Trump vom Abgang Bannons offenbar einen Befreiungsschlag, der verhindern soll, dass die "Grand Old Party" mehrheitlich auf Distanz zu ihm geht. Bannon gilt als vehementer Vertreter der nationalistischen Wirtschaftspolitik des Präsidenten. Mitte der Woche hatte er im Gespräch mit einem Journalisten jedoch die Nordkorea-Politik Trumps konterkariert, indem er eine militärische Option zur Lösung des Konflikts kategorisch ausschloss. Trump solle wütend reagiert haben, berichteten Medien.

Bannon war zudem seit geraumer Zeit in den Verdacht geraten, vertrauliche Details aus dem Weißen Haus an Medien weitergegeben zu haben. Zu seinen internen Widersachern gehören die moderateren und wirtschaftsliberalen Kräfte im Team um Trump. Neben Kushner zählen dazu unter anderem Wirtschaftsberater Gary Cohn und Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster.

Bannon gilt gemeinsam mit Stephen Miller als Architekt der "America First"-Strategie Donald Trumps. Der Mitgründer der erzkonservativen Internet-Plattform Breitbart war im Präsidentschaftswahlkampf 2016 zum Trump-Team gestoßen. Ihm wird ein maßgeblicher Anteil am Wahlsieg des Immobilienmilliardärs zugeschrieben.

Bereits am Freitag schossen in Washington Spekulationen über Bannons künftige Rolle ins Kraut. Unter anderem wurde vermutet, Bannon könnte versuchen, mit oder ohne Unterstützung Trumps eine nationalistische Bewegung außerhalb der Regierung zu formen. Diskutiert wurde auch, inwiefern sich die Personalie auf den politischen Kurs des US-Präsidenten auswirken wird und ob weitere Personalentscheidungen im Weißen Haus bevorstehen.

Lange hat sich Trump geweigert, "seinen Steve" abzusetzen. Trump, der öffentliche Haudrauf, gilt im persönlichen Umgang als konfliktscheu, und die beiden Männer verbindet viel. Es ist nicht übertrieben, Bannon als Retter des Trumpschen Wahlkampfs 2016 zu bezeichnen, als dieser ins Trudeln geriet. Mit klarem Blick und Eiseskälte schloss Bannon Trumps rohe Energie und massentauglichen Fähigkeiten mit Populismus kurz – und unverstelltem Nationalismus."Das ganze Konzept des Trumpismus kann am besten durch seine Partnerschaft mit Bannon verstanden werden", sagt Bannons Biograf Joshua Green. "Dazu gehört auch der Modus der pausenlosen Attacke." Bannon: "Nur im Kampf werden wir uns das Land zurückholen können."

Es ist kaum zu erwarten, dass Trump diese Ausrichtung seiner Politik nun grundsätzlich ändern wird. Zu sehr ist er nach der Kritik wegen seiner Gleichsetzung von Rassismus und Gegendemonstranten in den Kampfmodus zurückgekehrt. Zu sehr schwört er seine Anhänger auf sich ein, zu stark scheint er isoliert. Der Stratege geht, die Strategie eher nicht – auch wenn aus Trumps erster Mannschaft kaum mehr jemand im Spiel ist. Einmal mehr fokussiert sich jetzt aber wieder alle Wahrnehmung auf das Weiße Haus, auf seine Dramen und Kabale. Und nicht auf Trumps Politik.

Autor: Frank Herrmann und dpa