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30. August 2010

Runder Tisch zu Stuttgart 21

Gegner reagieren skeptisch / Treffen auch am Oberrhein / 2,7 Millionen Euro für Hitzeopfer.

STUTTGART (dpa). Im Konflikt um das Milliarden-Bahnprojekt Stuttgart 21 hat Bahnchef Rüdiger Grube für seinen Vorschlag eines runden Tisches Zustimmung aus der Politik erhalten, aber auch Kritik von den Gegnern.

Zum Knackpunkt wird die Aussage Grubes, während des Treffens mit den Stuttgart-21-Gegnern die Abbrucharbeiten am Nordflügel des Hauptbahnhofes nicht aussetzen zu wollen. Einen solchen Baustopp machte der Sprecher der Bürgerinitiative Leben in Stuttgart, Gangolf Stocker, zur Bedingung für eine Teilnahme. Überdies meinte er: "Grube ist ein absoluter Trickser und Täuscher."

Ein Sprecher der Parkschützer, die sich der Rettung von 300 Baumriesen nahe der Baustelle verschrieben haben, bezweifelte, dass das Gesprächsangebot ernst gemeint sei, denn am Tag nach den größten Protesten mit laut Veranstaltern 50 000 Teilnehmern und Grubes Ankündigung seien die Abrissarbeiten an dem denkmalgeschützten Gebäude unvermindert weitergegangen. "Wir werden mit unserem Widerstand nicht aufhören", sagte Matthias von Herrmann.

Grube hatte am Freitag zur selben Zeit, als in der Stuttgarter Innenstadt Zehntausende demonstrierten, angekündigt, sich im September erstmals mit Kritikern treffen zu wollen. Allerdings sei es aus Kostengründen nicht möglich, die Bagger ruhen zu lassen. Zudem sei die Bahn vertraglich zum Bauen verpflichtet. Als Teilnehmer nannte Grube unter anderem Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Der langjährige Kritiker des Projekts hatte zuvor einen "Friedensgipfel" angeregt, aber dafür einen Baustopp bei gleichzeitigem Aussetzen der Proteste verlangt – was die Projektträger von Bahn, Land und Stadt Stuttgart abgelehnt hatten. Palmer befürwortet dennoch die Offerte Grubes. Werde kein Baustopp verhängt, gehe allerdings der Protest weiter. Der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Winfried Kretschmann, sagte: "Die Gesprächsbereitschaft von Grube kommt spät, aber nicht zu spät." Einen Baustopp verlangte er nicht.

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Nach Informationen der Badischen Zeitung sucht Grube auch das Gespräch mit den Kritikern des Bahnausbaus am Oberrhein. Am 10. September will sich der Bahnchef mit Vertretern der Region in Bad Krozingen treffen.

Nach dem Klimaanlagen-Chaos in ihren Fernzügen zeigt sich die Bahn unterdessen kulant. 23 000 hitzegeplagte Kunden haben bisher Entschädigungen im Wert von 2,7 Millionen Euro erhalten, teilte eine Bahn-Sprecherin mit. Anfang Juli waren bei Temperaturen von weit über 30 Grad in gut 50 Fernzügen die Klimaanlagen ausgefallen.

Autor: Tagesspiegel;