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06. April 2013 00:00 Uhr

Steinbrück trifft Frankreichs Präsident Hollande

Ausgerechnet bei Frankreichs sozialistischem Präsidenten François Hollande sucht der SPD-Kanzlerkandidat Unterstützung. Wie Peer Steinbrück sieht auch dieser in Umfragen derzeit schlecht aus.

  1. Auf der Treppe geht’s für Hollande und Steinbrück nach unten – genau wie in den Umfragen. Foto: dpa

Im Seemannsgang schreitet Steinbrück über die Steinfließen der deutschen Botschaft, im Gesicht Restbräune vom Osterurlaub auf Madeira, auf den Lippen ein Lächeln der Genugtuung. Steinbrück scheint zu spüren: Es ist gut gegangen. Er hat die ersten Klippen dieses heiklen Parisbesuchs erfolgreich umschifft und dürfte die verbleibenden ebenfalls meistern.

Mit beiden Händen umgreift der Kanzlerkandidat das Plexiglaspult, im Blick die nächste Gefahrenstelle: Es gilt den Verdacht zu entkräften, die Begegnung mit Hollande am Freitagvormittag sei ein Schulterschluss der Verlierer gewesen – hier der deutsche Sozialdemokrat, den nur 25 Prozent seiner Landsleute gern als Kanzler hätten, dort der sozialistische Staatschef, der im Volk nur noch 28 Prozent Zustimmung genießt. Es gilt herauszustreichen, dass ihm, Steinbrück, anders als der Kanzlerin im Elysée-Palast uneingeschränkte Sympathien entgegenschlagen, dass er die deutsch-französische Freundschaft neu belebt.

Man habe im Elysée keineswegs in weinerlichem Tonfall Selbstbespiegelung betrieben, sondern sich in sehr freundschaftlicher Atmosphäre gemeinsam den Problemen zugewandt, den wirtschaftlichen, den europäischen zumal, gibt der Gast aus Berlin zu verstehen. Und die besondere Wertschätzung? "Das war, glaube ich, schon mein viertes oder fünftes Treffen mit Hollande", versichert er. Anders gesagt: Er trifft den Staatschef so oft, dass er den Überblick verloren hat, um die wievielte Begegnung es sich gerade handelt.

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Dass er selbst "im Herbst vielleicht kein Regierungsamt" hat, will Steinbrück nicht leugnen. Aber dass Hollande ein Verlierer sein soll, das will Steinbrück so nicht stehen lassen. In entschlossenem Ton bricht er eine Lanze für den Gastgeber. "Ich bitte um Verständnis dafür, dass Hollande nicht in elf Monaten wettmachen kann, was seine Vorgänger in zehn bis 15 Jahren versäumt haben", sagt er. Man solle dem Präsidenten doch bitte ein wenig Zeit geben.

Sich zufrieden zurücklehnen, das ist dem 66-jährigen Paris-Reisenden allerdings noch nicht vergönnt. Mag sein, dass er sich bei Hollande eines Vertrauensvorschusses erfreut. Jenseits der Mauern des Elysée-Palasts muss er sich misstrauischer Fragen erwehren. Ob er denn, sollte er gewählt werden, wie Hollande massiv die Steuern erhöhen werde, soll er sagen. Ob er sich in Europa als Fürsprecher der Südschiene profilieren wolle.

Hollande kommt zu einem Gegenbesuch

Wieder hält Steinbrück Kurs, schafft es, sich dem Stabilität hochhaltenden deutschen Wähler zu empfehlen und einem gedeihlicheren Verhältnis mit den südeuropäischen Krisenstaaten und Frankreich das Wort zu reden. "Beide sehen wir die Notwendigkeit der Konsolidierung", sagt Steinbrück. Die Frage sei, welche Dosis man den Krisenstaaten zumuten wolle. Und auch in der Steuerfrage gelingt es dem Sozialdemokraten, sich zum Sozialisten zu bekennen, ohne deutsche Wähler scharenweise zu verprellen. Steinbrück erinnert daran, dass auch er eine Reichen-steuer will. Er erinnert aber daran, dass deren Satz mit 49 Prozent zwar bei einem steuerpflichtigen Jahreseinkommen von 100 000 Euro greifen soll, von Hollandes 75-Prozent-Abgabe aber noch ein gutes Stück entfernt ist. Dann kündigt Steinbrück an, dass er Hollande bald wiedersehen wird. Am 23. Mai in Leipzig zum 150-jährigen Bestehen der SPD.

Autor: Axel Veiel