Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. Oktober 2017

USA

Streit um Gedenken an vier gefallene US-Soldaten

Kritiker werfen Präsident Trump vor, der Witwe eines Sergeanten nicht aufrichtig genug kondoliert zu haben / Der poltert zurück.

  1. Gefallener La David Johnson Foto: AFP

WASHINGTON. Dass die "Boys in Uniform" auch im Niger im Einsatz sind, dürfte der amerikanischen Öffentlichkeit vor Kurzem ungefähr so bekannt gewesen sein wie die Tatsache, dass Nowosibirsk am Ob liegt. Sie kam also überraschend, die Nachricht, dass vier Elitesoldaten der Special Forces am 4. Oktober im Grenzgebiet zwischen dem Niger und Mali getötet worden waren. Inzwischen hat sich daran heftiger Streit entzündet, wobei es weniger um die Gefallenen geht und mehr um die Frage, ob Donald Trump zu Empathie überhaupt in der Lage ist.

Um mit den Toten zu beginnen: Die Umstände, unter denen die vier in der Wüste Sahara ums Leben kamen, sind nicht restlos geklärt. Offenbar geriet ihre Patrouille in einen Hinterhalt islamistischer Extremisten; das Pentagon will die Hintergründe untersuchen, der Rest ist einstweilen das, was man den Nebel des Krieges nennt. Eine Fülle von Spekulationen, Halbwahrheiten, Propaganda. Einer der vier, Sergeant La David Johnson, ein Afroamerikaner, soll zum Schluss ganz auf sich allein gestellt gewesen sein. Es soll 48 Stunden gedauert haben, bis Soldaten aus Nigeria seine Leiche fanden.

Werbung


Und Trump? Vor allem dreht sich die Kontroverse darum, ob er herzlos klang, als er Johnsons Witwe Myeshia sein Beileid aussprach. Ob der Commander-in-Chief, der es während des Vietnamkriegs verstand, mit Hilfe ärztlicher Atteste der Einberufung zu entgehen, aufrichtig kondolierte. Jedenfalls rief er Myeshia Johnson erst an, als Journalisten fragten, warum er noch kein Wort darüber verliere. Sie habe Trumps Ton als respektlos empfunden, beschwerte sich daraufhin Frederica Wilson, eine Kongressabgeordnete aus Florida, die mit der Witwe im Auto saß, als der Präsident zum Hörer griff. Er habe gesagt, der Sergeant habe "gewusst, worauf er sich einließ, aber ich nehme an, es tut immer noch weh".

Trump reagierte, wie er oft reagiert, wenn er unter Druck gerät: Er ging in die Offensive. Die Abgeordnete, polterte er via Twitter, habe das alles erfunden. Zudem habe auch sein Vorgänger Barack Obama, wie die meisten US-Präsidenten, mit den Hinterbliebenen von Gefallenen nicht telefoniert. Letzteres stimmt so nicht. Man möge John Kelly zu Obama befragen, sagte Trump und zog so seinen Vorgänger voller Angriffslust in den Streit hinein.

Kelly, einst General der Marineinfanterie, hat 2010 einen Sohn in Afghanistan verloren. Zunächst verzichtete er auf jeden Kommentar, am Donnerstag aber trat er im Pressesaal des Weißen Hauses auf, um eine Gardinenpredigt zu halten. Es stimme, Obama habe sich damals nicht gemeldet. Das nehme er ihm aber nicht übel, da man gegenüber trauernden Angehörigen ohnehin nichts perfekt machen könne. Im Falle seines Sohnes habe General Joseph Dunford, heute Stabschef der Streitkräfte, die richtigen Worte gefunden. "Er tat genau das, was er tun wollte, als er getötet wurde", habe er gesagt. "Er wusste, worauf er sich einließ, als er sich diesem einen Prozent (der Freiwilligenarmee, Red.) anschloss. Er wusste, was passieren konnte, denn wir waren im Krieg."

Es sei bedauernswert, fügte Kelly hinzu, dass man heute versuche, selbst aus einem Soldatentod politisches Kapital zu schlagen. Wenigstens dies müsse doch sakrosankt bleiben. John McCain, einst Kriegsgefangener in Vietnam, will Detail für Detail wissen, was sich am 4. Oktober im Niger zutrug. Notfalls, kündigt der Senator an, werde er das Weiße Haus zur Herausgabe aller Unterlagen zwingen.

Autor: Frank Herrmann