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30. August 2010 00:04 Uhr
Reaktor
Sudan setzt auf Kernkraftwerke
Sudan will Atomkraftwerke bauen – obwohl das Land seit Jahrzehnten in immer neue Bürgerkriege verwickelt ist und von einem des Völkermords angeklagten Präsidenten geleitet wird. Noch dazu steht der Sudan vor der Spaltung.
JOHANNESBURG. Mohammed Ahmed Hassan al-Tayeb, der Chef der sudanesischen Atomenergiebehörde, teilte mit, die Regierung strebe den Bau eines vierteiligen Atomreaktors mit einer Gesamtkapazität von rund 2000 Megawatt im Jahr sowie eines Testreaktors an, in dem Personal trainiert und Isotope für den medizinischen Bereich produziert werden sollen. Zu diesem Zweck arbeite seine Behörde mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien zusammen: Als Betriebsbeginn des bis zu sechs Milliarden Dollar teuren Atomreaktors werde das Jahr 2030 anvisiert. Die Wiener Behörde bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung die Zusammenarbeit mit dem Sudan. Als Mitgliedsstaat der IAEO könne das Land bei der Entwicklung zivil genutzter Atomenergie mit der Kooperation der Agentur rechnen, sagte IAEO-Sprecher Dana Sacchetti. Vertreter der Agentur hätten bereits mit der Evaluierung des künftigen Strombedarfs im Sudan begonnen. Es werde allerdings noch Jahre dauern, bis tatsächlich mit dem Bau eines Atomkraftwerks begonnen werden könne. Die IAEO werde sicherstellen, dass der Sudan die Nukleartechnologie lediglich für zivile Zwecke nutze, fuhr Sacchetti fort: "Ich halte es für ausgeschlossen, dass das Land in absehbarer Zeit ein militärisches Atomprogramm entwickelt." Der Sudan unterhält allerdings enge Beziehungen zur iranischen Regierung, der vorgeworfen wird, insgeheim ein militärisches Nuklearprogramm zu entwickeln. Vor drei Jahren hielt sich Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad in Khartum auf, wo er gemeinsam mit dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir schwor, die "Feinde des Islams" zu besiegen.
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Ein Jahr später wurde al-Baschir im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in den Darfur-Provinzen vom Den Haager Strafgerichtshof wegen schwerer Menschenrechtsverbrechen und später auch Völkermord angeklagt. Im kommenden Januar wird die Bevölkerung der Südsudans über eine Abspaltung vom Rest des Landes abstimmen: Beobachter fürchten, dass es im Verlauf des heiklen Volksentscheids zu einem neuen Krieg kommen könnte. Bereits vor Jahren hatte die US-Regierung al-Baschir vorgeworfen, heimlich Giftgas zu produzieren: Die US-Luftwaffe hatte daraufhin sogar eine Fabrik in Khartum bombardiert. Der Verdacht wurde allerdings nie erhärtet.
Autor: Johannes Dieterich
