Südkorea nimmt Kim beim Wort

Angela Köhler

Von Angela Köhler

Mi, 03. Januar 2018

Ausland

Seoul schlägt einen Gesprächstermin für den 9. Januar vor – kommt der Dialog wieder in Gang?.

TOKIO/SEOUL.   Erst überraschte Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un mit einer freundlichen Geste zu den Olympischen Winterspielen: Er stellte in Aussicht, eine Delegation zu den Spielen in Südkorea zu schicken. Nun nimmt die südkoreanische Regierung den Diktator beim Wort und schlägt ihrerseits ein "hochrangiges Gespräch" vor. Am 9. Januar schon könnten sich die Emissäre beider verfeindeter Bruderstaaten am Grenzkontrollpunkt Panmunjom treffen.  

Seoul hat nicht lange gezögert, um eine neue Chance auf Wiederaufnahme des innerkoreanischen Dialogs zu eröffnen. Südkoreas Minister für nationale Einheit, Cho Myong Gyon überbrachte die Einladung per Videobotschaft. "Wir möchten von Angesicht zu Angesicht mit Nordkorea an einem Tisch sitzen und offen über gemeinsame Interessen diskutieren – mit dem Ziel, bessere Beziehungen zueinander zu gestalten." Das gab es lange nicht mehr, seit 2015 sind die direkten Kontakte zwischen beiden Staaten eingefroren.   

Damit liegt der Ball wieder im Feld der Nordkoreaner. Wenn Kim Jong-un seine eigene Neujahrsbotschaft ernst nimmt, müsste er das Gesprächsangebot annehmen. Die militärischen Spannungen sollten reduziert werden, sagte Kim in seiner vom Staatsfernsehen ausgestrahlten Ansprache. Darin wünschte er den Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang Erfolg und stellte in Aussicht, über die Beteiligung einer nordkoreanischen Delegation sofort zu verhandeln. Bisher hatte Pjöngjang dieser Veranstaltung stets die kalte Schulter gezeigt.

Auch wenn es zunächst nur um die Olympischen Winterspiele geht, steht doch angesichts der Krise um das nordkoreanische Atomprogramm mehr auf dem Spiel. Cho sprach den Wunsch seiner Regierung aus, auch direkt über eine Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen zu sprechen. Südkorea sei bereit, dafür einen Minister zu entsenden. Dennoch ist man in Seoul skeptisch, ob das Kim-Regime tatsächlich zu ernsthaften Gesprächen oder gar zu einer Annäherung bereit ist. Es könnte in Kims Kalkül liegen, Südkorea zu locken und gleichzeitig einen Keil zwischen die Verbündeten zu treiben.    Staatschef Moon Jae In deutete deshalb am Dienstag an, dass eine solche interne Verbesserung der Beziehungen mit dem Norden nicht von der Lösung des Atomstreits getrennt werden könne. Er wies sein Außenamt an, sich über weitere Schritte eng mit den Alliierten – also den USA und Japan – abzustimmen, damit beide Probleme "zur gleichen Zeit" behandelt werden können.

In seiner Neujahrsbotschaft hatte Diktator Kim Jong-un eben auch verkündet, dass Nordkorea in Zukunft atomare Sprengköpfe und ballistische Raketen in Massenproduktion fertigen wolle. Moon hatte Kim Jong-un bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Juli Militärgespräche und ein Treffen der Rotkreuzverbände zu humanitären Fragen angeboten. Pjöngjang war zu diesem Zeitpunkt aber darauf nicht eingegangen. Auch jetzt gibt es noch keine Reaktion auf den südkoreanischen Vorschlag.    Weil aber die Zeit drängt, wären dennoch Sondergespräche über die Olympischen Spiele (9. bis 25. Februar) denkbar.