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07. Februar 2012 00:07 Uhr
Unruhe
Syrien: Angst vor dem Sturmangriff
Das "Nein" von China und Russland zur UN-Resolution scheint Syriens Machthaber zu stärken. Bei Dauerbombardement durch Assads Armee gab es Dutzende Tote.
LIMASSOL/DAMASKUS. Das vom Assad-Regime gefeierte russisch-chinesische Nein zur Syrien-Resolution im Weltsicherheitsrat stärkt offenbar die Moral der angeschlagenen syrischen Armee. Mit der expliziten Rückendeckung von zwei Supermächten versuche Syriens Staatschef Baschar al-Assad vollendete Tatsachen zu schaffen, bevor das westlich-arabische Bündnis neue Maßnahmen gegen das Land beschließen könne, befürchten europäische Diplomaten in Damaskus.
Ziel der in der Nacht zum Samstag begonnen Offensive ist die Rückeroberung von Bab al-Amr, einem der größten Stadtviertel von Homs, das seit mehr als drei Monaten von lokalen Milizen und Soldaten der Freien Syrischen Armee (FSA) kontrolliert wird. Assads Truppen verfolgen dabei Strategien, die auch während des libanesischen Bürgerkrieges gegen "aufsässige" Bevölkerungsteile "zum Erfolg" führten: Einem oft tagelangen Bombardement (wie gegenwärtig in Homs) folgt ein Sturmangriff, gegen den die Verteidiger der aus ihrer Sicht befreiten Gebiete wenig entgegensetzen können. Nach übereinstimmenden Berichten von syrischen Menschenrechtsaktivisten und westlichen Korrespondenten in Homs wurde Bab al-Amr am Montag im Minutentakt bombardiert. Auf Zivilisten werde keine Rücksicht genommen, weil sie die "FSA" meist vorbehaltlos unterstützen.Werbung
Videofilme im Internet dokumentieren die dramatische Lage: Verzweifelte Regimegegner flehen neben Verwundeten und Toten um westliche Militärhilfe und verfluchen Russen und Chinesen als willige Komplizen "der Schlächter in Damaskus". Die Berichte über die Zahl der Toten gehen weit auseinander: Während britische Korrespondenten in Homs am Montag von über 30 Opfern sprechen, verdreifacht die syrische Opposition die Zahlen – in der Hoffnung, damit eine Militärintervention des Westens zu beschleunigen.
Der russische Außenminister Serge Lawrow verteidigte am Montag in Bahrain noch einmal das Veto seines Landes. Eine Annahme der Resolution hätte "eine Parteinahme in einem drohenden Bürgerkrieg" auf Seiten der Opposition bedeutet. Wohin dies führe, sähe man jetzt in Libyen, das nach dem Eingreifen der Nato in Chaos und Anarchie zu versinken drohe. Dass sich Syrien in einer ähnlichen Situation befindet, will der russische Diplomat nicht erkennen. Lawrow wird am heutigen Dienstag in Damaskus mit Syriens Staatschef Assad zusammentreffen. Als Ausweg aus der Krise will der russische Außenminister einen "friedlichen Dialog" zwischen Regierung und Opposition vorschlagen.
Dazu ist das Assad-Regime angeblich "grundsätzlich" bereit. Der oppositionelle Syrische Nationalrat und die Freie Syrische Armee lehnen Gespräche dagegen kategorisch ab. Ihr Ziel sei die Befreiung des Landes und der Sturz des Assad-Regimes.
Autor: Michael Wrase
