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19. August 2017

Spanien

Behörden gehen nach Attentaten nicht von Einzeltätern aus

Hinter den Terrorattacken in Spanien mit 14 Todesopfer steckt nach ersten Erkenntnissen der Polizei eine organisierte Islamistenzelle. Der mutmaßliche Haupttäter, der am Donnerstagabend auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas mit einem Lieferwagen in Gruppen von Passanten gerast war, ist Medienberichten zufolge nicht mehr am Leben.

  1. Beten für Barcelona – dazu fordert das englischsprachige Plakat auf der auf der Flaniermeile Las Ramblas auf. Auch Kerzen und Blumen sind unweit des Anschlagsortes Symbole von Trauer und Mitgefühl. Foto: dpa

Bei dem Anschlag im Herzen Barcelona kamen 13 Menschen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Nur Stunden später wurde im Badeort Cambrils rund 100 Kilometer weiter südlich eine Frau von Terroristen mit einem Auto getötet. Die Polizei erschoss fünf mutmaßliche Mitglieder der Terrorzelle und verhinderte damit wohl einen weiteren Anschlag. Bei dieser Aktion soll auch der Fahrer des Tatfahrzeugs in Barcelona getötet worden sein, wie Medien berichteten. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es bis Redaktionsschluss nicht.

Die Sicherheitskräfte hatten zuvor mitgeteilt, sie fahndeten nach einem 17-Jährigen als Haupttäter. Er soll seinem älteren Bruder dessen Pass gestohlen und damit den Transporter angemietet haben, mit dem der Anschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas verübt wurde. Ob er auch der Fahrer des Transporters war, war am Freitagabend noch unklar.

Ein weiterer Vorfall hatte sich bereits am Mittwoch ereignet: Bei der Detonation in einem Wohnhaus in der Ortschaft Alcanar kamen zwei Menschen ums Leben. Die Explosion ordnet die Polizei inzwischen der vermuteten Terrorzelle zu; möglicherweise wurde sie bei Anschlagsvorbereitungen durch deren Mitglieder versehentlich ausgelöst. In dem Gebäude sollen nach Informationen der Zeitung El Pais etwa 20 Gasflaschen gelagert worden sein. Die katalanische Polizei geht davon aus, dass die Attacken in Barcelona und Cambrils nicht das Werk von Einzeltätern, sondern eines organisierten Kommandos waren. Diesem gehörten ihren Angaben zufolge etwa zwölf Mitglieder an. In Ripoll 100 Kilometer nördlich von Barcelona, in Cambrils und in Alcanar nahm die Polizei vier mutmaßliche Terroristen fest.

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Noch sind nicht alle Opfer identifiziert. Nach Angaben des Außenministeriums in Berlin wurden 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt. "Der Terrorismus kann uns bittere, tieftraurige Stunden bescheren", sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin, "aber besiegen kann er uns nie." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) schrieb an den spanischen König Felipe VI.: "Als Europäer und als Freunde Spaniens fühlen wir uns alle getroffen. Aber dieser Terror wird unsere offene Gesellschaft nicht zerstören können."

Autor: dpa