Türkei klagt US-Pastor an

Jürgen Gottschlich

Von Jürgen Gottschlich

Di, 17. April 2018

Ausland

Erdogan bot Tausch gegen Gülen.

ISTANBUL. Am Montagmorgen hat in Izmir der Prozess gegen den US-Pastor Andrew Craig Brunson begonnen, der seit Oktober 2016 in der Türkei in Untersuchungshaft sitzt. Brunson wird vorgeworfen, er habe sowohl die kurdische PKK wie auch die islamistische Gülen-Bewegung unterstützt. Die Staatsanwaltschaft fordert für Brunson insgesamt 35 Jahre Haft. Beide Gruppen gelten in der Türkei als terroristische Bewegungen. Das geistige Oberhaupt der Gülen Sekte, Fetullah Gülen, lebt seit 1999 in den USA. Die Türkei wirft ihm vor, für den Putschversuch im Juli 2016 verantwortlich zu sein und fordert seine Auslieferung.

Die seit mehr als eineinhalb Jahren andauernde Haft des 50-jährigen Pastors belastet die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA schwer. Brunson lebt seit 23 Jahren in der Türkei und leitet dort eine kleine protestantische Kirche, die "Kirche zur Auferstehung" in Izmir. Die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen weist er zurück. Sein Anwalt Ismail Cam Halavurt sagte der Presseagentur AP, die Beschuldigungen seien haltlos: "Er muss sofort entlassen werden".

Nachdem die USA im Anschluss an den Putschversuch im Sommer 2016 auf die Forderung nach Auslieferung von Fetullah Gülen nicht reagiert hatten, wurde Brunson im Oktober verhaftet – zunächst mit Ehefrau Norine, die später freigelassen wurde. Er wird nach Auffassung des konservativen christlichen Think Tank "American Center for Law and Justice" von der Türkei als Geisel festgehalten. Präsident Recep Tayyip Erdogan bestätigte den Eindruck im September 2017, als er sagte: "Wenn ihr uns Gülen gebt, geben wir euch Brunson". Die Haft Brunsons ist in den USA mittlerweile vor allem in einflussreichen evangelikalen Kreisen ein Thema. Einen Aufruf an die US-Regierung, sich mehr für eine Freilassung einzusetzen, haben mehr als eine halbe Million Menschen unterschrieben. Präsident Donald Trump setzte sich persönlich bei Erdogan für die Freilassung Brunsons ein, bislang erfolglos.