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11. Februar 2012
Unübersichtliche Lage in Syrien
Auch al-Qaida könnte hinter den Attentaten in Aleppo stecken.
LIMASSOL/DAMASKUS. In der syrischen Großstadt Aleppo, einem wichtigen Wirtschaftszentrum Syriens, sind am Freitag zwei Bomben explodiert, Dutzende starben. Die Verantwortung schieben sich Regime und Opposition gegenseitig zu.
Das syrische Regime machte "terroristische Banden" für die Anschläge verantwortlich und gab den Staatsmedien die Anweisung, das Ausmaß der Explosionen möglichst drastisch darzustellen. Gegenüber al-Dschasira und dem arabischen Dienst der BBC bekannte sich Oberst Arif al-Hamoud von der "Freien Syrischen Armee" (FSA) zu dem Anschlag. In einem von der Türkei aus geführten Telefongespräch rechtfertigte er die Attacken als eine "legitime militärische Operation" der syrischen Rebellen.Wenig später bestritt ein anderer Sprecher der Freien Syrischen Armee, mit den Anschlägen etwas zu tun zu haben. Urheber sei das kriminelle syrische Regime, das im Rahmen eines schwarzen Theaterstückes von der brutalen Offensive in Homs ablenken wolle. Nüchtern betrachtet ist es höchst unwahrscheinlich, dass das syrische Regime die für die Niederschlagung der Revolte benötigten Polizei- – und Geheimdienststützpunkte selbst zerstört.
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Die sich widersprechenden Erklärungen der Freien Syrischen Armee weisen vielmehr auf die fehlende Kommandostruktur innerhalb der Rebellenarmee sowie auf einen Meinungsstreit über Strategie und Taktik hin.
Westliche Terrorismusexperten halten auch eine Täterschaft des islamistischen Terrornetzwerkes von al-Qaida für denkbar. Die dem Terrornetzwerk nahestehende islamistischen Salafistenorganisation "Minbar al-Tauhid wal-Dschihad" (Kanzel des Monotheismus und des Dschihad) hatte im vergangenen Monat in einer Fatwa, einem religiösen Rechtsgutachten, Gewalt gegen das Assad-Regime befürwortet. Es sei keine Schande, jene zu töten, "die uns nach dem Leben trachten". Der Zeitpunkt, an dem nur noch der bewaffnete Widerstand zähle, sei gekommen.
Aus Sicht der Opposition kommen die Anschläge im bislang ruhigen Aleppo zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da sie dem Regime die Möglichkeit geben, ihr Vorgehen gegen "bewaffnete Terrorbanden" zu rechtfertigen. Damit gemeint ist die Freie Syrische Armee, die sich in der Revolutionshochburg Homs einer an Brutalität kaum zu überbietenden Offensive des Assad-Regimes ausgesetzt sieht.
Leidtragende sind wie immer Zivilisten. Weit über 200 Menschen, berichten syrische Menschenrechtsaktivisten, deren Angaben nicht zu überprüfen sind, sollen seit Donnerstag allein in Homs ums Leben gekommen sein. Die drittgrößte syrische Stadt wurde von der Armee praktisch eingekesselt. Von der Artillerie unterstützte Panzer rücken langsam aber stetig in die von der Freien Syrischen Armee und lokalen Milizen beherrschten Stadtviertel vor, in denen verzweifelte Zivilisten auch am Freitag wieder in Videobotschaften an das humanitäre Gewissen der freien Welt appellierten.
Die Großoffensive der syrischen Armee gegen Homs und umliegende Ortschaften wird nach übereinstimmenden Berichten aus Beirut auch von der regulären libanesischen Armee unterstützt. Dutzende von Panzern und gepanzerten Truppentransportern der von pro-syrischen Offizieren kommandierten Streitmacht haben Stellungen entlang der syrisch-libanesischen Grenze bezogen.
Erklärtes Ziel der Offensive zur Stabilisierung des Libanons ist es, Waffenschmuggel nach Syrien und das Einsickern von syrischen Armeedeserteuren zu verhindern. Die überwiegend sunnitische Opposition im Libanon, deren Aktivisten den Aufstand in Syrien unterstützen, beschuldigte unterdessen am Freitag die Armee, mit Assad gemeinsame Sache zu machen.
Autor: Michael Wrase


