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06. Juli 2012

Von der Operation Babylift in Vietnam bis zum Irak

Vor allem die USA haben schon mehrfach nach Militäreinsätzen Schutzevakuierungen durchgeführt.

  1. **NO_SALES._NO_ARCHIVES._NOT_FOR_SALE_FOR_MARKETING_OR_ADVERTISING_CAMPAIGNS._EDITORIAL_USE_ONLY** Foto: usage Germany only, Verwendung nur in Deutschland

"Für Deutschland ist das eine ungewöhnliche Diskussion, aber im internationalen Umfeld nicht", sagt der Sprecher des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Ralph Meyer, über Schutzevakuierungen von ehemaligen ortsansässigen Mitarbeitern nach Militäreinsätzen im Ausland. Tatsächlich gab es ähnliche Aktionen in zahlreichen Staaten. Die USA haben dabei zugleich die wohl größte Schutzevakuierung der jüngeren Geschichte (am Ende des Vietnamkrieges) sowie jene durchgeführt, die mit der Lage in Afghanistan vielleicht am ehesten zu vergleichen ist (beim Abzug aus dem Irak).

Das chaotische Ende des Vietnamkrieges 1975 wurde nicht nur vom überstürzten Abzug der letzten US-Soldaten aus Südvietnam begleitet. Vor den anrückenden nordvietnamesischen Truppen wurden im Rahmen der Operation New Life (Operation neues Leben) auch etwa 110 000 Menschen aus Vietnam auf vor der Küste kreuzende Schiffe evakuiert. Als die südvietnamesische Hauptstadt Saigon bereits unter Artilleriebeschuss lag, ordnete US-Präsident Gerald Ford noch die Operation Babylift an – mehr als 2000 Kinder wurden unter dramatischen Umständen ausgeflogen, ohne ihre Eltern, jedoch mit deren Einverständnis. Viele der in die USA, aber auch in andere Länder gebrachten Kinder kennen ihre leiblichen Eltern bis heute nicht.

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Für Afghanistan hat das historische Beispiel Vietnam kaum Bedeutung: Selbst Pessimisten rechnen nicht damit, dass die Taliban nach dem Rückzug der Isaf-Truppen Afghanistans reguläre Sicherheitskräfte überrennen wie einst die Nordvietnamesen den Süden. Die US-Evakuierungen während und nach dem Ende 2011 beendeten Abzug aus dem Irak hingegen könnten Anhaltspunkte geben, welche Probleme bei Schutzevakuierungen vom Hindukusch auftreten könnten.

Seit dem US-Einmarsch 2003 hatten nach US-Angaben insgesamt rund 140 000 Iraker für die Besatzungstruppen gearbeitet. Da viele Anfeindungen ausgesetzt waren und um ihre Sicherheit fürchten mussten, reservierte der US-Kongress 2008 per Gesetz 25 000 Einreisevisa für irakische Hilfskräfte, die in ihrer Heimat einer dauerhaften Bedrohung ausgesetzt sind. Sie sollten zügig und unbürokratisch in die USA einreisen dürfen.

Laut dem US-Sender Fox News wurden indes bis Ende 2011 weniger als 4500 dieser Sondervisa ausgestellt. Die Bearbeitung tausender Anträge steht aus. Tatsächlich eingereist in die USA seien bis Mai nur 3695 Iraker. Als ein Grund für die schleppende Bearbeitung gelten strengere Sicherheitsüberprüfungen, welche die US-Regierung angeordnet hat. Begründet wurde dies mit Versuchen des Terrornetzwerks al-Qaida, auf diesem Wege Extremisten in die USA zu schleusen. Zwei Iraker mit Sondervisa waren in den USA angeklagt worden, illegal Waffen in den Irak schicken zu wollen.

Autor: Dietmar Ostermann


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