Was wirklich in Duma geschah, soll die OPCW klären

AFP/BZ

Von AFP & BZ-Redaktion

Di, 17. April 2018

Ausland

Nachdem Russland eine UN-Untersuchung des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes verhindert hat, sind die Experten aus Den Haag in Syrien.

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in der syrischen Stadt Duma in Ost-Ghuta vor rund einer Woche will die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) vor Ort Proben nehmen und den Vorwürfen auf den Grund gehen. Eine umfassendere, mit einem völkerrechtlichen Mandat ausgestattete Untersuchung der UNO hatte Russland in der vergangenen Woche im UN-Sicherheitsrat mit seinem Veto blockiert. Zwölf der 15 Mitglieder im UN-Sicherheitsrat hatten eine entsprechende Resolution befürwortet. Nach dem Nein aus Moskau ruhen die Hoffnungen auf dem OPCW-Team, das sich auf Einladung des syrischen Regimes und Russlands in Syrien aufhält.

Die normale Vorbereitungszeit für den Einsatz eines OPCW-Teams beträgt in der Regel zwischen zwei und vier Wochen. Seit es jedoch im Laufe des syrischen Bürgerkriegs immer wieder Hinweise auf den Einsatz chemischer Waffen gab, richtete OPCW-Chef Ahmed Üzümcü ein Spezialteam von bis zu 15 Experten ein, das binnen 24 Stunden einsatzbereit ist.

Ein typisches OPCW-Team besteht aus zwei Ärzten, zwei Chemiewaffenexperten, ein bis zwei Chemie-Inspektoren, Übersetzern und Sicherheitskräften. Sie können verschiedener Nationalität sein und sind Fachleute auf ihrem Gebiet. Am Ort des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes sprechen die Experten mit Zeugen, Medizinern und Ersthelfern und prüfen Krankenhausdokumente. Sie nehmen Umweltproben und Bioproben – vorzugsweise von Überlebenden, gelegentlich auch von Toten.

Die jüngste Mission in Duma in der einstigen Rebellenhochburg Ost-Ghuta ist der erste OPCW-Einsatz außerhalb von Damaskus seit 2014. Damals wurde ein OPCW-Team angegriffen und kurze Zeit festgehalten. Syriens Verbündeter Russland und die syrische Regierung haben der OPCW Sicherheitsgarantien für die Duma-Mission gegeben. Dennoch ist die Lage vor Ort gefährlich und unübersichtlich. Inzwischen ist die syrische Armee nach Duma eingerückt, die Rebellen, welche die Stadt noch während des mutmaßlichen Giftgasangriffs gehalten hatten, sind mit ihren Familien abgezogen. Wenige Tage vor dem mutmaßlichen Giftgasangriff hatten sie einen Abzug und die Übergabe der Stadt noch abgelehnt, kurz danach stimmten sie zu. Unklar ist, ob das OPCW-Team tatsächlich umfassenden Zugang zu wichtigen Zeugen und möglichem Beweismaterial haben wird. 2013 hatten die OPCW-Fachleute bei einem Einsatz in Syrien nur 45 Minuten Zeit für ihre Arbeit am Ort eines mutmaßlichen Giftgasangriffs, bevor sie wegen Sicherheitsbedenken abziehen mussten.

Bis Montagnachmittag konnte das OPCW-Team, das am Samstag in Damaskus eingetroffen war, nicht nach Duma weiterreisen. Russische und westliche Diplomaten gaben der jeweils anderen Seite dafür die Schuld. Sofern Proben in Duma genommen werden, werden sie gesichert und versiegelt in die Niederlande zur Analyse gebracht. Analysiert werden die Proben in Partnerlaboren, die laut OPCW eine "kompetente, unparteiische und bei den Ergebnissen eindeutige" Analyse gewährleisten.