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06. März 2012
"Wenn ich wetten müsste, würde ich auf Obama setzen"
BZ-INTERVIEW mit dem Politikwissenschaftler Eitan Hersh über das Ringen der US-Republikaner um die Präsidentschaftskandidatur und ihre Chancen im Herbst.
Welche Ergebnisse sind vom Super Tuesday zu erwarten? Warum stimmen nicht alle US-Staaten gleichzeitig ab? Und welche Folgen hätte ein Sieg Rick Santorums? Jens Schmitz sprach mit dem Politikwissenschaftler Eitan Hersh von der Universität Yale in New Haven, Connecticut. Hershs Forschung konzentriert sich auf das Wahlsystem der USA, Schwerpunkte sind insbesondere Wahlkampfstrategien, Wählerverhalten und die öffentliche Organisation des Prozesses.
BZ: Mr. Hersh, der Vorwahlkampf der Republikaner stagniert. Wird der Super Tuesday eine Entscheidung bringen?Hersh: Die wahrscheinlichste Entscheidung ist, dass Newt Gingrich aufgibt oder nicht mehr als überlebensfähiger Kandidat angesehen wird. Wenn Rick Santorum die Wahlen im Süden gewinnt, besonders in Gingrichs Heimatstaat Georgia, dann werden wir wohl statt vier nur noch drei Kandidaten haben. In Virginia gibt es die meisten Delegierten zu holen. Dort stehen weder Gingrich noch Santorum auf dem Stimmzettel, also wird Mitt Romney gewinnen. In Ohio, dem anderen großen Staat, führt im Moment noch Santorum, und wenn er siegt, wird das Rennen möglicherweise bis zum Parteitag weitergehen.
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Hersh: Wenn er nominiert würde, würde das eine krachende Niederlage für die Republikaner. Was seine Anhänger denken, ist aber eine andere Frage: Für viele ist die Stimmabgabe ein Ausdruck ihrer Überzeugung. Die Menschen stimmen für einen Kandidaten, an den sie glauben. Sie tun es nicht unbedingt, um das Ergebnis der Wahlen zu beeinflussen.
BZ: Mitt Romney wird also so oder so der Kandidat, und die Rechte gibt ihm jetzt nur noch ein paar Denkzettel mit auf den Weg?
Hersh: Ich denke, das ist so. Als Ergebnis wird Romney vielleicht einen Kandidaten als Vizepräsidenten aussuchen, der den Anliegen der religiösen Konservativen entgegenkommt.
BZ: Es gibt zunehmend Stimmen aus der Partei, die befürchten, der lange Vorwahlprozess beschädige am Ende alle. Warum stimmen nicht alle 50 Staaten gleichzeitig ab?
Hersh: Das ist schon rechtlich sehr schwierig. Es ist Sache der einzelnen Staaten, festzulegen, wann sie ihre Vorwahlen abhalten. Die Parteien wiederum können versuchen, Staaten, die sich ihrer eigenen Planung nicht unterordnen, von der Auszählung auszuschließen – es ist ein fortdauerndes Ringen. Unabhängig davon wäre es sehr teuer, eine nationale Kampagne überall gleichzeitig zu führen. Unter den derzeitigen Umständen kann ein Kandidat mit wenig Ressourcen nach Iowa gehen und von Tür zu Tür ziehen, und wenn er gewinnt, bekommt er Aufmerksamkeit und mehr Spenden. Wenn wir 2008 eine nationale Primary gehabt hätten, hätte Hillary Clinton einen Erdrutschsieg eingefahren, weil Barack Obama zu der Zeit viel weniger bekannt war. Ich glaube, es gibt klare Vorteile für das jetzige System.
BZ: 2008 hieß es allgemein, Obama sei durch den langen Kampf gegen Clinton als Kandidat besser geworden. Bei Romney sehen das nicht alle so.
Hersh: Ich glaube, dass er am Ende ein besserer Kandidat sein wird. Er hatte Schwierigkeiten, über seinen Reichtum zu sprechen, und lernt jetzt eine Menge dazu. Zur Wahrheit gehört auch, dass die meisten Wähler sich noch nicht für die Wahl interessieren, das wird sich erst im Herbst ändern. Es ist gut, den Umgang mit seinen Schwächen frühzeitig zu üben.
BZ: Die Wirtschaft erholt sich langsam, Obama führt in allen Umfragen. Hat Romney überhaupt eine Chance, ihn zu schlagen?
Hersh: Oh ja, auf jeden Fall. Wenn ich Geld wetten müsste, würde ich es im Moment immer noch auf Obama setzen, aber wenn etwas Größeres passiert und die Wirtschaft abstürzt, zum Beispiel wegen der europäischen Schuldenkrise, dann ist Obama in großen Schwierigkeiten. Das Gleiche gilt, wenn die Lage im Iran eskaliert und Obama damit nicht gut umgeht. Es wird auf keinen Fall ein Spaziergang für ihn.
Autor: jsz



