Wer hilft den Hungernden?

Amal al-Yarisi

Von Amal al-Yarisi

Fr, 07. Dezember 2018

Ausland

Im Jemen haben Friedensgespräche begonnen / Austausch von Gefangenen wurde verkündet.

STOCKHOLM (dpa). Nach mehr als vier Jahren Bürgerkrieg im Jemen haben Friedensgespräche für das kriegszerrüttete Land begonnen. Millionen Notleidende hoffen auf ein Ende ihres Martyriums. Das Zusammentreffen der Konfliktparteien sei "ein Meilenstein", sagte UN-Vermittler Martin Griffiths zum Auftakt des Treffens zwischen Regierung und Rebellen am Donnerstag in Schweden. "Ich bin sicher, wir werden eine Botschaft des Friedens senden."

Zunächst wurde der Austausch von Tausenden Gefangenen verkündet. Dann begannen die Gespräche – allerdings in getrennten Räumen. Im Jemen kämpft die international anerkannte Regierung gegen die Huthi-Rebellen, die weite Teile im Norden des Landes sowie die Hauptstadt Sanaa kontrollieren. Die Regierung wird seit 2015 von einer saudisch geführten Koalition unterstützt, die mit ihren Luftangriffen maßgeblich zur Eskalation des Konflikts beigetragen hat. Hinzu kommt, dass Teile des Landes von dschihadistischen Milizen, die al-Qaida nahestehen, kontrolliert werden.

Die Infrastruktur des Jemens ist infolge von Bombenangriffen und Gefechten teilweise zerstört. In einigen Regionen gibt es keine medizinische Versorgung – die Vereinten Nationen sprechen von der schwersten humanitären Krise der Welt. Dem UN-Nothilfebüro zufolge starben durch die Kämpfe etwa 10 000 Zivilisten.

Zum Beginn des Treffens im Ort Rimbo nördlich von Stockholm lobte Griffiths die Zeichen der Deeskalation beider Seiten in den vergangenen Wochen. Er verkündete zudem eine Einigung über einen Gefangenenaustausch: "Dies wird dazu führen, dass Tausende Familien wieder vereint sind." Wann genau der Austausch stattfinden wird, blieb zunächst unklar.

Gespräche dienen dem Aufbau von Vertrauen

Nach UN-Angaben handelt es sich um die erste formelle Einigung beider Parteien seit Beginn des Konflikts. Dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zufolge sind 5000 bis 8000 Gefangene betroffen. Die Gespräche sollen zunächst dem Aufbau von Vertrauen dienen. Dabei geht es Griffiths zufolge um die Beruhigung der Kämpfe unter anderem in der strategisch wichtigen Hafenstadt Hudaida, die Wiedereröffnung des von der saudischen Koalition blockierten Flughafens Sanaa, wirtschaftliche Unterstützung sowie den besseren Zugang für humanitäre Hilfe. Konkrete Verhandlungen über ein politisches Regelwerk zur Beendigung des Krieges werde es noch nicht geben. Man wolle aber über die Umrisse einer solchen Regelung reden.

Die Gespräche dürften in den kommenden Tagen trotz der Entspannungssignale und des internationalen Drucks kompliziert werden. Das Außenministerium der jemenitischen Regierung hatte direkt vor den Gesprächen noch einmal darauf gedrungen, dass Hudaida laut einer UN-Resolution von den Rebellen übergeben werden müsse. Die Aufständischen weigern sich allerdings, die Kontrolle über die Stadt aufzugeben, die ihnen Versorgung aus dem Ausland garantiert.

Außenminister Heiko Maas warnte vor einer humanitären Katastrophe. Es müsse ungehinderte humanitäre Hilfe geben. "Sonst werden dort viele Menschen sterben und das müssen wir unter allen Umständen verhindern." Das Welternährungsprogramm kündigte an, seine Nahrungsmittellieferungen aufzustocken. Bis Ende Januar sollen bis zu 12 der 28 Millionen Jemeniten mit Nahrung versorgt werden.