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11. August 2009 05:56 Uhr
Terror in Deutschland
Anschlagspläne: Anführer der Sauerland-Gruppe packt aus
Der Kopf der sogenannten Sauerland-Gruppe, Fritz Gelowicz, hat vor Gericht Details zu geplanten Anschlägen in Deutschland verraten. Seine Aussage machte deutlich: Viele sollten getötet werden.
DÜSSELDORF. Nein, er bereut seine Terror-Vorhaben nicht. "Aber ich würde es nicht wieder tun", sagte gestern Fritz Gelowicz vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Eigentlich, so schilderte Gelowicz, der als Jugendlicher zum Islam übergetreten war, wollten er und seine Freunde keine Anschläge begehen, sondern "Dschihad machen". Das heißt für ihn, "wir wollten gegen amerikanische, russische oder pakistanische Soldaten kämpfen, um die Not der unterdrückten Muslime zu lindern." Im Irak, in Tschetschenien oder in Afghanistan, Details waren ihnen egal.
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Gelowicz musste nicht lange überredet werden. "Es leuchtete mir ein, dass man in Europa mit weniger Aufwand viel mehr Schaden anrichten kann." Anschläge in Afghanistan seien wegen der dortigen massiven Militärpräsenz schwieriger, als es die Medienberichte darstellen.
Allerdings, das musste Gelowicz lernen, ist es auch nicht so einfach, in Deutschland einen Anschlag zu begehen. Die Gruppe wurde aufgrund von Geheimdienstwarnungen von Beginn an überwacht. Dabei war die Observation durch den Verfassungsschutz jedoch so offensichtlich, dass Gelowicz sich von nun an eher sicherer fühlte: "Ich dachte, das merke ich schon, wenn die uns beobachten". Deshalb machten sie trotz einer frühen Hausdurchsuchung unbeirrt weiter und ahnten nicht, dass die Polizei längst ihren trickreichen Mail-Verkehr mitlas und stets alles unter Kontrolle hatte. Als Gelowicz, Yilmaz und der später hinzugekommene Daniel Schneider im September 2007 beim Bombenbasteln im Sauerland verhaftet wurden, kam das für Gelowicz "absolut überraschend".
Zu den Anschlagszielen sagte Gelowicz gestern, man habe US-Soldaten töten wollen, "viele, nicht nur zwei oder drei". Mit Autobomben hätte man Discos und Pubs angreifen wollen, wo häufig US-Soldaten verkehren. "Und wenn dabei auch Zivilisten, gleich welcher Nationalität, getötet worden wären?", fragte der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling. "Das hätten wir in Kauf genommen – nicht aber den Tod von Kindern", so Gelowicz. Außerdem wollte man ein Signal an die Öffentlichkeit senden, damit die deutschen Truppen aus Afghanistan abziehen. "Dazu wollten wir Sprengstoff in Parkhäusern von Flughäfen detonieren lassen."
Gelowicz schilderte in ruhigem, fast schon lakonischem Ton rund drei Stunden seine Geschichte. "Sehen Sie sich auch heute noch als Mudschaheddin?", fragte ganz zum Schluss Richter Breidling. "Nein, ich sehe mich als Gefängnisinsasse", so die schlagfertige, aber ausweichende Antwort von Gelowicz. Dann wurde er aber doch deutlich. Er werde nach Verbüßung seiner Strafe den Dschihad nicht wieder aufnehmen, sondern etwas anderes mit seinem Leben anfangen. Der Prozess wird durch die Geständnisse zwar abgekürzt, aber sicher noch einige Monate dauern.
Autor: Christian Rath


