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03. Dezember 2008

Aufruhr unter Forschern

Die Kultusminister wollen die Bildungsstandards senken, um bei Pisa besser dazustehen

BERLIN. Wenn die Kultusminister der Länder sich am Donnerstag treffen, wird ihre Sitzung zur Mutprobe. Es geht um die einfache Frage, ob die 16 Minister auch in Zukunft noch einen mit allen Mitteln der empirischen Bildungsforschung erstellten Qualitätsvergleich der Schulleistungen in den Bundesländern zulassen werden – oder nicht.

Bei den Vorgesprächen ist deutlich geworden, dass die Länder das Risiko entschärfen wollen, bei einem solchen Test schlecht auszusehen. Bisher wird der Ländervergleich im Rahmen der Pisa-Auswertungen gemacht. Künftig soll das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) unter dem Schulforscher Olaf Köller einen eigenen, innerdeutschen Ländervergleich erstellen. Dabei soll gemessen werden, ob die 15-jährigen Schüler die von der deutschen Politik gesetzten Bildungsstandards erfüllen. Zurzeit wird hinter den Kulissen verhandelt, unter welchen Bedingungen diese Studie stattfinden wird.

Was so harmlos klingt, taugt zum Skandal. Jüngere Studien zeigen, dass ein Großteil der 15-jährigen Schüler in Deutschland die Bildungsstandards verfehlt. Auch der aktuelle Pisa-Test belegt, dass ein hoher Anteil der Schüler die Minimalanforderungen nicht erfüllt, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) definiert, damit sie später als Erwachsene zurechtkommen können.

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Kultusminister fürchten Ländervergleich
Zwischen einem Drittel und drei Vierteln der Hauptschüler sowie ein erheblicher Teil der Gesamtschüler erreichen dieses Niveau nicht. Experten gehen davon aus, dass diese Risikogruppe auch die deutschen Bildungsstandards nicht erreicht. Deshalb fürchten die Kultusminister, dass der nächste Ländervergleich, der nach den bisherigen Planungen im Jahr 2010 veröffentlicht werden soll, miserabel ausfällt. Dabei würde offenbar, dass ihre Schulreformen nach Pisa bisher kaum wirken. Um das zu verhindern, will die Kultusministerkonferenz (KMK) sich den Spiegel gar nicht mehr vorhalten lassen.

Ihre erste Idee, die Hauptschulen aus dem Test einfach auszuklammern, ist gescheitert. Am Donnerstag steht nun zur Debatte, ob die Bildungsstandards selbst gesenkt werden. Das kommt dem Versuch gleich, die Latte so niedrig zu legen, dass fast jeder drüberspringen kann.

Der Plan sorgt für Aufruhr unter den Bildungsforschern. Der bisherige Pisa-Chef Manfred Prenzel und der IQB-Chef Olaf Köller haben sich ungewöhnlich deutlich geäußert. Prenzel bedauert in der Zeit, dass mit der Einbettung des Ländervergleichs in die internationale Pisa-Studie ein bewährtes Instrument aus der Hand gelegt werden solle. "Wenn man die Anforderungen an die Hauptschulen senkt, liegen ihre Bildungsziele nicht mehr weit über denen der Grundschulen", sagte Köller. Das heißt: Die Minister nehmen bei einer Senkung der Standards in Kauf, dass die Kinder von der fünften Klasse an kaum mehr etwas dazulernen.

Autor: Bärbel Krauß