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30. Januar 2010
Auto- statt Regierungssitz
Thüringens früherer Regierungschef Dieter Althaus (CDU) wird Lobbyist beim Zulieferer Magna
ERFURT. Vor ein paar Wochen hat Dieter Althaus ein kryptisches Interview gegeben. Der frühere CDU-Ministerpräsident war gefragt worden, was er denn nun vorhabe nach seinem Rücktritt und der schmerzlichen Wahlniederlage vom Sommer 2009. Er antwortete ungenau, ein bisschen Ehrenamt, ein paar Themengebiete, meinte er. Ansonsten: "Für Angebote bin ich offen." Seit Freitag wissen die Thüringer, was aus ihrem Regierungschef a. D. wird: ein Autolobbyist.
Am Montag wechselt der 51-Jährige zum österreichisch-kanadischen Automobilzulieferer Magna und wird dort nach Informationen des Unternehmens ein neuer Vize-Präsident, genau: "Vice-President für den Kunden Volkswagen". Themengebiet: "Kontakte zu den öffentlichen Stellen in Deutschland".Am Freitag war Landtagssitzung in Erfurt und Althaus stand nochmal im Mittelpunkt allen Interesses: "Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit, zumal ich Magna aus meiner Zeit als Ministerpräsident gut kenne und seitdem von der außergewöhnlichen Firmenkultur und der Erfolgsgeschichte beeindruckt bin", sagte er und teilte mit, dass er ab Montag für Magna arbeite, aber sein Landtagsmandat erst Ende April niederlegen werde.
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Für die Opposition in Erfurt ist dieser Zustand ein Unding. Der Oppositionsführer im Landtag Bodo Ramelow (Linke), sagte: "Rechtlich ist das wohl alles in Ordnung, aber moralisch doch nicht."
Magna sei ein Unternehmen mit 74 000 Beschäftigten und mit einem Werk im Thüringer Eichsfeld, das Subventionen bekommen habe. Es habe enge Kontakte der Landesregierung zu Magna gegeben, Dieter Althaus sei nachweislich befreundet mit Magna-Vorstandschef Siegfried Wolf, so Ramelow. Deshalb wäre es opportun gewesen, Abstand zu halten. Ramelow forderte: "Deutsche Politiker müssen nach ihrem Ausscheiden mindestens eine Legislaturperiode abstinent sein. Das gilt nicht nur für Althaus." Er halte es für nicht akzeptabel, dass Althaus noch drei Monate Abgeordneter bleibe und gleichzeitig für Magna arbeite. "Das ist nicht ethisch sauber."
Dieter Althaus, der seit 2002 in Thüringen regierte, hatte im vergangenen Sommer bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit der CDU verloren. Er hatte einen derart faden und inhaltsarmen Wahlkampf geführt, dass eine Niederlage absehbar war. Als die CDU dann als letzte Rettung mit der SPD eine Koalition eingehen musste, stand Althaus im Weg und musste zurücktreten. Erst nach längerem Hin und Her gab er sich geschlagen und zog sich zurück. Seine Nachfolgerin wurde Christine Lieberknecht (CDU).
Althaus war im vergangenen Jahr vor allem wegen eines Skiunfalls in Österreich in die Schlagzeilen geraten. Am Neujahrstag hatte er in den Alpen bei einem Zusammenstoß auf der Piste eine 41-jährige Skifahrerin getötet. Er selbst erlitt schwere Kopfverletzungen und lag wochenlang im Krankenhaus. Es war zweifelhaft, ob er überhaupt in die Politik zurückkehren konnte. Ein österreichisches Gericht verurteilte ihn in Abwesenheit wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe.
Autor: Bernhard Honnigfort
