Flensburgs Oberbürgermeisterin

Bewerbung um SPD-Bundesvorsitz: Simone wer?

Norbert Wallet

Von Norbert Wallet

Mi, 14. Februar 2018 um 08:03 Uhr

Deutschland

Überraschend hat sich die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange um den vakanten SPD-Bundesvorsitz beworben. Bundespolitisch ist die 41-Jährige ein unbeschriebenes Blatt.

Simone wer? Ihr Wirkungsraum war bisher ausschließlich die Küsten-SPD Schleswig-Holsteins. Für die saß sie als direkt gewählte Abgeordnete aus Flensburg von 2012 bis 2016 im Kieler Landtag. Dort gewann die Kriminalbeamtin als polizeipolitische Sprecherin ihrer Fraktion Profil. Sie setzte sich unter anderem für die Kennzeichnungspflicht von Polizisten und die Einführung eines Landes-Polizeibeauftragten ein. Im November 2016 schied sie aus dem Landesparlament aus, nachdem sie sich bei der Flensburger Oberbürgermeister-Wahl mit 51,4 Prozent der Stimmen gegen den Amtsinhaber Simon Faber vom Südschleswigschen Wählerverband durchgesetzt hatte.

Dass sie ihre Kandidatur zur SPD-Bundesvorsitzenden mit der Forderung nach innerparteilicher Erneuerung unterlegt, kann nicht überraschen. Schon nach der verlorenen Bundestagswahl im Herbst vergangenen Jahres hatte sie auf einem Landesparteitag der Nord-SPD in Neumünster die Forderung erhoben, die Partei müsse sich neuen Ideen öffnen und darüber nachdenken, "mit wem wir das am besten durchsetzen können – personell wie inhaltlich". Das ist ihr in der Partei, wohl nicht zu Unrecht, als Spitze gegen den Landeschef und stellvertretenden Bundesvorsitzenden Ralf Stegner ausgelegt worden. Tatsächlich gibt es Stimmen, die Lange bereits als kommende Spitzenkandidatin in einem Landtagswahlkampf gegen den jungen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) handeln.

Ihre Bewerbung um den Bundesvorsitz verschafft ihr nun zusätzlich bundesweite Popularität – auch wenn sie in Abrede stellt, dass dies ein möglicher Hintergedanke bei ihrer unerwarteten Kandidatur gewesen sei. Vielmehr begründet Lange ihre Bewerbung in einem Schreiben an den Parteivorstand mit dem "Gefühl der Ohnmacht vieler Mitglieder gegenüber denen, die in Berlin Entscheidungen treffen, ohne die Basis einzubeziehen". Das oberste Parteiamt dürfe nicht "von einer kleinen Gruppe intern festgelegt werden". Eine Einzelkandidatur, "die ohne große Diskussion durchgewunken wird, kann kein Zeichen für einen Aufschwung oder einen Neuanfang sein", heißt es in ihrem Brief. Mit ihrer "Basiskandidatur" wolle sie "den Mitgliedern wieder eine Stimme geben".

Lange ist 2003 in die SPD eingetreten und kommt ursprünglich aus Rudolstadt in Thüringen. Nach dem Abitur studierte sie in Altenholz an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung. Von 1999 bis 2012 arbeitete sie bei der Kriminalpolizei in Flensburg. Sie ist Mutter von zwei Kindern.