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21. Juni 2012

Kunstfehler und unsinniger Einsatz von Antibiotika

Der bedrohte Patient

Neben Kunstfehlern löst vor allem unsinniger Umgang mit Antibiotika Gefahren für Kranke aus.

Jeder Mensch macht Fehler. Diese Einsicht ist so banal, dass man es kaum wagt, sie aufzuschreiben. Und wer Opfer eines ärztlichen Kunstfehlers geworden ist, wird den Satz verständlicherweise als Hohn empfinden. Diese Menschen werden auch nicht als Trost betrachten, was gleichwohl richtig ist: Bei der Vermeidung von Kunstfehlern hat es in den vergangenen Jahren Fortschritten gegeben.

Denn immer mehr schwindet, was früher leider ein prägendes Muster war: Lange blendeten viele Mediziner aus einem verfehlten Standesdünkel heraus die Einsicht aus, dass ihnen – wie jedem anderen Menschen auch – Fehler unterlaufen können. Die Folge war ein Corpsgeist, in dem es als tabu galt, zu überlegen, wie Fehler vermieden werden könnten. Und tabu war auch, sich ehrlich zu einem Fehler zu bekennen, wenn er denn passiert war. Ein Rest dieser Haltung zeigte sich, als im Frühjahr 2005 Ärzte das "Aktionsbündnis Patientensicherheit" gründeten und die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt aus diesem Anlass darauf verwies, dass manchmal ganz einfache Maßnahmen Unglücke verhindern können – und sei es nur, dass vor einer Operation die zu behandelnde Stelle farblich markiert wird, damit nicht versehentlich das gesunde anstelle des kranken Beins behandelt wird. So mancher Ärztefunktionär rümpfte seinerzeit die Nase, dass eine Nicht-Medizinerin es wagte, sie mit so einfachen (aber wirksamen und nicht überall beherzigten) Vorschlägen zu behelligen.

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Dass die Ärzteschaft den alten Ungeist zusehends ablegt, ist fraglos gut. Wer mit medizinischen Gutachtern oder Patientenvertretern spricht, hört immer wieder, dass viele Opfer von Fehlern weniger unter dem Fehler selber leiden. Mehr bedrückt sie, dass sie nach dem Unglück allein gelassen wurden, mühsam um ihre Rechte kämpfen mussten und vom Arzt oder der Klinik, denen der Fehler passierte, kein Wort ehrlichen Bedauerns hörten.

So wichtig der Wandel im Selbstverständnis der Ärzte ist, so klar ist auch, dass es nicht reicht, allein auf Kunstfehler zu schauen. Es gibt neben diesen Fehlern (die Bundesärztekammer weist aktuell 2300 Fehler im Jahr aus, wobei allerdings eine beachtliche Dunkelziffer besteht) auch ein systematisches Problem. Zu den größten Fortschritten der Menschheit gehört die Entdeckung von Antibiotika. Just diese Arzneien gegen Infektionskrankheiten verlieren aber zusehends ihre Wirksamkeit, weil sie von manchen Ärzten und in der Tiermedizin ohne Sinn und Verstand eingesetzt werden. Umso schwieriger wird es auch, die so genannten Krankenhausinfektionen zu behandeln. Jahr für Jahr versterben deshalb in Deutschland etwa 3000 Menschen. Patientensicherheit braucht also beides: das Bemühen, Kunstfehler möglichst zu vermeiden, und das Ende der Wildwuchs-Verordnung von Antibiotika.

Autor: Bernhard Walker


3 Kommentare

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Hedwig Schiffer

Registriert seit: 21.06.2012

Kommentare: 3

21. Juni 2012 - 00:16 Uhr

Antibiotika werden nicht nur von Ärzten ohne Sinn und Verstand eingesetzt, auch die Menschen müssen ihr Bewusstsein verändern und sollten nicht bei jedem (zum Teil überflüssigen) Arztbesuch lauthals nach Antibiotika schreien.
Aufklärung ist wichtig! Nicht jeder grippaler Infekt braucht ein Antibiotikum, dass muss man den Leuten einfach mal vermitteln. Wäre ich allerdings Arzt und hätte Angst, meine Patienten zu verlieren, wenn sie nicht das bekommen was sie möchten..wahrscheinlich ist das der springende Punkt

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Peter Rapp

Registriert seit: 25.09.2009

Kommentare: 727

21. Juni 2012 - 22:50 Uhr

Ja, Sie vielleicht.

Im realen Leben anderswo ist es allerdings so, dass eher Patienten Angst haben, ihren Arzt zu verlieren,

und sie diesen Umstand ihrer Kranken Kasse, einer gewissen Ulla Schmidt von der Esspeedee, sowie einem Herrn Franz Knieps zu verdanken haben, den freilich kein Mensch kennt, obwohl er eine Dekade lang die Gesundheitsgesetzgebung maßgeblich beeinflusst hat ("diktiert hat" kann ich leider nicht beweisen).

Ansonsten haben Sie vollkommen Recht.

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Peter Rapp

Registriert seit: 25.09.2009

Kommentare: 727

21. Juni 2012 - 22:54 Uhr

Hallo Herr Walker, wollen wir uns h i e r mal ein wenig über den Ungeist der "ausgewogenen Berichterstattung" unterhalten ?

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