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17. März 2010 00:04 Uhr

Mängelliste

Der Bundeswehr fehlen 600 Ärzte

Unhaltbare Zustände im Sanitätsdienst, fehlende gepanzerte Fahrzeuge, zu wenige Ausbilder: Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe hat in ungewöhnlich scharfer Form Mängel bei der Bundeswehr angeprangert.

  1. Antreten zum Jahresbericht: Reinhold Robbe hält der Bundeswehr eine lange Mängelliste vor. Foto: dpa

  2. Reinhold Robbe. Foto: dpa

Stellenweise sei "unglaubliches Improvisationstalent" nötig, um die Defizite zu kompensieren, sagte er bei Vorlage seines letzten Jahresberichts. Besonders scharf griff Robbe die Führung des Sanitätsdienstes an. Dem verantwortlichen Inspekteur, Generaloberstabsarzt Kurt-Bernhard Nakath, warf er Versagen vor. Dieser habe den Sanitätsdienst "regelrecht vor die Wand gefahren". Derzeit fehlten 600 Ärzte. Zugleich gebe es immer mehr Patienten. Im vergangenen Jahr habe sich die Zahl der durch den Einsatz traumatisierten Soldaten auf 466 fast verdoppelt. Fast 90 Prozent der Erkrankten gehörten zur Schutztruppe Isaf in Afghanistan.

Bei der Ausrüstung mangelt es laut Robbe vor allem an Hubschraubern, Transportflugzeugen und gepanzerten Fahrzeugen. Das verheerende Bombardement von Kundus hat nach Auffassung des Wehrbeauftragten erhebliche Auswirkungen auf die Bundeswehr gehabt. Es gebe in der Truppe viel Unterstützung für Oberst Georg Klein, der den Luftangriff angeordnet hatte. Bei dem Luftschlag waren bis zu 142 Menschen getötet worden. Ein Untersuchungsausschuss klärt derzeit die Hintergründe auf.

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Die entwürdigenden Rituale in einigen Einheiten der Bundeswehr spielen in dem Bericht keine Rolle. Mitte Februar war bekannt geworden, dass es bei den Hochgebirgsjägern im bayerischen Mittenwald Aufnahmerituale gab, zu denen das Essen roher Schweineleber und Alkoholkonsum bis zum Erbrechen gehörten. Dies seien offenbar Einzelfälle gewesen.

Die Zahl der rechtsextremistischen oder fremdenfeindlichen Vorfälle in der Bundeswehr blieb 2009 konstant. 122 Verdachtsfälle wurden gemeldet. Frauen in der Bundeswehr klagen unverändert über sexuelle Belästigungen und frauenfeindliche Einstellungen.

In den Bericht flossen 5700 Meldungen von Soldaten ein. Die fünfjährige Amtszeit des Wehrbeauftragten endet im Mai. Eine erneute Kandidatur schloss der SPD-Politiker aus. Als Nachfolger hat die schwarz-gelbe Koalition bereits den FDP-Politiker Hellmut Königshaus nominiert.

Autor: dpa