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13. September 2017 00:00 Uhr

Bildungsstudie

Deutschland ist Spitzenreiter bei den Zukunftsfächern

Laut einem internationalen Vergleich studieren viele in Deutschland Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik . Frauen sind dabei aber unterrepräsentiert.

  1. In Deutschland studieren viele Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Foto: dpa

Von "guten Nachrichten für das Hightechland Deutschland" spricht Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält die Bildung im Land hingegen für "chronisch unterfinanziert". Der am Dienstag veröffentlichte Bericht, in dem die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Bildungssysteme der Industrienationen vergleicht, lässt unterschiedliche Interpretationen zu.

Wo schneidet Deutschland

besonders gut ab?
Spitzenwerte erreicht die Bundesrepublik in jenen Studienfächern, die als besonders zukunftsweisend gelten und beruflichen Erfolg versprechen: In Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die aufgrund ihrer Anfangsbuchstaben oft als Mint-Fächer zusammengefasst werden. 37 Prozent der Hochschulabsolventen in Deutschland haben eines dieser Fächer studiert. Einen so hohen Wert erreicht kein anderes OECD-Land. Auch bei den Studienanfängern belegt Deutschland in diesem Bereich den Spitzenplatz. Gerade für eine rohstoffarme Nation ist es wichtig, auf diese Weise die Position als Technologiestandort zu festigen – oder um es mit Heino von Meyer vom Berliner OECD-Zentrum zu sagen: "Deutschlands wichtigster Rohstoff ist die Kompetenz seiner Bürger." Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die Stuttgarter Schulministerin Susanne Eisenmann (beide CDU) sprachen von "guten Nachrichten für das Hightechland Deutschland". Das trage zur Sicherung der deutschen Innovationsstärke bei und helfe, die Anforderungen der zunehmenden Digitalisierung zu bewältigen.

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In wichtigen Zukunftsfächern
ist also alles in Ordnung?
Nicht alles, denn der Frauenanteil in den Mint-Fächern liegt bei gerade einmal 28 Prozent. Im Gegensatz dazu sind die Frauen in Fächern wie Pädagogik massiv überrepräsentiert. Dort sind 80 Prozent der Studienanfänger weiblich. Nur in wenigen OECD-Staaten ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern so stark ausgeprägt wie in Deutschland.

Wo hat das deutsche

Bildungssysteme Defizite?
Bei den Bildungsausgaben hinkt Deutschland nach den Berechnungen der OECD seit Jahren hinterher. Während die 35 OECD-Staaten durchschnittlich 5,2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Bildung ausgeben, kommt Deutschland auf 4,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung. Umgerechnet auf Heller und Pfennig bedeutet das in etwa eine Differenz von 30 Milliarden Euro pro Jahr.

Wo fehlt das Geld?
Zum Beispiel in den Grundschulen: Denn auch hier gibt Deutschland jedes Jahr weniger aus als der OECD-Durchschnitt. Das gehe vor allem zu Lasten der individuellen Förderung, bemängelt der OECD-Bildungsforscher Andreas Schleicher. Dabei sei es extrem wichtig, die Schwachpunkte einzelner Schüler möglichst früh zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern, "damit niemand durch das Raster fällt". Dass dafür die Zeit fehle, schade vor allem den Schülern aus bildungsfernen Elternhäusern, erklärt Schleicher. "Wenn Sie aus einer sozial ungünstigen Schicht kommen, ist Schule Ihre einzige Chance." So gesehen ist es kein Wunder, dass der Bildungserfolg in Deutschland noch immer stark vom Elternhaus abhängt – auch das belegt die neue Studie: Der Anteil der Hochschulabsolventen, deren Eltern keinen entsprechenden Abschluss haben, liegt bei den 30- bis 44-Jährigen in Deutschland bei gerade einmal 14 Prozent. Im OECD-Schnitt ist diese Quote in den vergangenen Jahren auf immerhin 20 Prozent gestiegen.

Trotzdem werteten Wanka und Eisenmann die Tatsache, dass es bei jungen Erwachsenen (25- bis 34-Jährigen) in der Bundesrepublik mit 4,2 Prozent die geringste Erwerbslosigkeit gibt (OECD-Durchschnitt: 9,1 Prozent) als Beleg dafür, dass Bildungssystem und Arbeitsmarkt in Deutschland besonders gut aufeinander abgestimmt seien.

Autor: dpa