Die Koreas nähern sich an

Angela Köhler und Agenturen

Von Angela Köhler & Agenturen

Mi, 10. Januar 2018

Ausland

Seoul und Pjöngjang wollen militärische Spannungen entschärfen / Der Norden nimmt an Olympia teil.

SEOUL/TOKIO. Nachdem sich der Atomstreit mit Nordkorea zuletzt gefährlich zugespitzt hatte, haben sich Nord- und Südkorea auf Schritte zur Deeskalation verständigt. Vertreter aus Pjöngjang und Seoul vereinbarten Gespräche "zum Abbau der militärischen Spannungen" auf der koreanischen Halbinsel. Auch kündigte Nordkorea seine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Südkorea an.

Die Unterredung ranghoher Regierungsvertreter fand in Panmunjom in der entmilitarisierten Zone zwischen den seit sieben Jahrzehnten verfeindeten Ländern statt. Südkoreas Delegation wurde von Vereinigungsminister Cho Myoung-gyon angeführt. Die Delegation aus Pjöngjang leitete dessen Beauftragter für die interkoreanischen Angelegenheiten, Ri Son-gwon. Die Atmosphäre war freundlicher als bei vorangegangenen Treffen. Vorausgegangen war eine zweijährige Gesprächspause. Um die aktuellen militärischen Spannungen zu verringern, schlug Südkorea auch direkte Kontakte zwischen den Armeen beider Staaten vor.

Zudem soll es im Februar wieder zu Familientreffen zwischen Nord und Süd kommen. Die Trennung von Verwandten als Folge des Koreakrieges (1950 bis 1953) ist eines der emotionalsten Themen zwischen beiden Staaten. 60 000 Menschen auf beiden Seiten der geteilten Halbinsel, viele davon im hohen Alter, warten auf ein Wiedersehen mit ihren Verwandten. Die letzten Begegnungen dieser Art fanden im Jahr 2015 statt.

Der Norden sagte nun zu, eine Delegation aus staatlichen Offiziellen und Sportlern zu den Olympischen Winterspielen (9. bis 25. Februar) ins südkoreanische Pyeongchang zu entsenden. Der Norden werde auch Fans, Berichterstatter sowie Künstler schicken, darunter ein Taekwondo-Showteam. Dazu müssten aber in Abstimmung mit dem UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Pjöngjang zeitweise ausgesetzt werden, erklärte die südkoreanische Seite.

Der Süden verpflichtete sich, der Delegation aus Pjöngjang während der Spiele die nötige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Auch regte Seoul an, dass die Sportler und die Offiziellen beider Länder bei der Eröffnungsfeier gemeinsam ins Stadion einlaufen sollen. Die Sommerspiele 1988 in Seoul hatte der Norden noch boykottiert.

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, begrüßte die Gespräche. "Diese Vorschläge sind für den olympischen Geist ein großer Schritt nach vorn", sagte Bach.