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28. September 2009

Die Linke, berauscht vom Wahlergebnis

Spitzenkandidaten wie Stars gefeiert / Jetzt werden rot-rote Bündnisse in den Ländern geplant

  1. Oskar Lafontaine freut sich – und schleudert Blumen unters Volk. Foto: dpa

BERLIN. Der Jubel bei der Linkspartei will kein Ende nehmen. Als die ersten Prognosen auf den Fernsehschirmen bei der Wahlparty in Berlin erscheinen, strecken die Anhänger die Hände in die Höhe. Die Feierlaune wird noch beflügelt, als die Resultate der Landtagswahlen bekanntwerden. Die Linke erzielt nicht nur im Bund ein zweistelliges Ergebnis und liegt knapp hinter der FDP. Sie ist zum ersten Mal auch im Kieler Landtag vertreten. In Brandenburg unterstreicht sie ihren Anspruch als Volkspartei.

Als die Spitzenkandidaten Gregor Gysi und Oskar Lafontaine auf die Bühne treten, werden sie wie Stars gefeiert. "Wir haben die ganze Gesellschaft durcheinandergebracht, und das wurde höchste Zeit", ruft Gysi in die Menge. Der Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch spricht wenige Minuten nach der Schließung der Wahllokale vor den begeisterten Anhängern von einem sensationellen Ergebnis. Die Zustimmung sei so hoch, wie sich dies kaum jemand in der Parteiführung vorgestellt habe. "Die Erfolgsgeschichte der Linken hat eine Krönung gefunden", ruft Bartsch den feiernden Parteimitgliedern entgegen.

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In der Kulturbrauerei im Ostberliner Szenestadtteil Prenzlauer Berg stehen die Anhänger dicht gedrängt vor der Bühne. Der einzige Dämpfer an diesem Abend ist für die Linke die Nachricht, dass es für Schwarz-Gelb reicht. Bartsch kündigt eine harte Oppositionsarbeit an. Auf den Straßen, Plätzen und im Parlament werde die Linke die sozialen Interessen der Menschen verteidigen. "Schwarz-Gelb kann sich auf uns verlassen", sagt Bartsch mit drohender Stimme. Falls es zu einem Sozialabbau kommt, werde die Linke entschieden Widerstand leisten.

Gysi kommt zum Schluss: Schwarz-Gelb sei kein gutes Ergebnis, aber die Linke werde dagegen mit einer kraftvollen Opposition vorgehen. Ihre Kraft zur Mobilisierung will die zweitstärkste Oppositionspartei auch auf Landesebene einsetzen. In zwölf Ländern sei die Linke mittlerweile vertreten, sagt Bartsch unter viel Applaus.

Die nächste Etappe sieht der Bundesgeschäftsführer darin, einen Politikwechsel in den Ländern einzuleiten. Bartsch setzt auf rot-rote Bündnisse; in Brandenburg gebe es dafür eine realistische Chance. Bei der Parteigründung 1990 habe niemand geglaubt, dass eine Partei links der SPD in sechs westdeutsche Landtage einziehe. Dies sei ein historisches Ereignis, befindet Gysi. Die Aufgabe der Linken sieht Bartsch darin, in der Opposition möglichst viel durchzusetzen.

Als Aushängeschild wird auf der Wahlparty der thüringische Spitzenkandidat Bodo Ramelow gefeiert. Er sieht nach der Schlappe für die SPD die Möglichkeit, dass in dem ostdeutschen Bundesland ein rot-rotes Bündnis gelingt. Die SPD müsse nach der Niederlage erkennen, dass sie nicht länger der Königsmacher sei. Die Sozialdemokraten müssten endlich über ihren Schatten springen. Die Linke werde sich als Alternative zu Schwarz-Gelb empfehlen. Rot-Rot oder rot-rot-grüne Bündnisse sollten eine neoliberale Politik stoppen. Das nächste Ziel hat die Linke bereits vor Augen: den Einzug in dem nordrhein-westfälischen Landtag im Frühjahr 2010.

Autor: Roland Pichler