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18. November 2009

Eine Erklärung für den Rückzug Lafontaines

Erkrankung erzwingt Pause

BERLIN. Mindestens vorerst ist das Rätselraten beendet, warum Links-Parteichef Oskar Lafontaine kurz nach dem Zwölf-Prozent-Erfolg bei der Bundestagswahl seinen Rückzug vom Amt des Fraktionsvorsitzenden im Parlament in Berlin angekündigt hat. Gestern Nachmittag erklärte er per Pressemitteilung, dass er morgen wegen einer Krebserkrankung zu einem schon länger geplanten Eingriff ins Krankenhaus gehen werde.

Lebensbedrohlich sei der Zustand des Linkenvorsitzenden nicht, verlautete aus der Parteispitze. Doch ist die Erkrankung so ernst, dass Lafontaine erst nach überstandener Operation zu Anfang 2010 entscheiden wolle, "in welcher Form ich meine politische Arbeit weiterführe".

Maurer nennt Spekulationen über Affäre Hasskampagne
Damit dürften sich die Spekulationen über die Motive für die jüngste Volte des 66-Jährigen, die zum Schluss ins Kraut geschossen waren, beruhigen. Der Spiegel hatte in seiner jüngsten Ausgabe gemutmaßt, dass Lafontaines Rückzug ins Saarland private Gründe habe; Stimmen aus der Partei wurden zitiert, wonach Lafontaine eine Affäre mit der Parteilinken Sahra Wagenknecht habe. Seine Ehefrau Christa Müller habe ihn deshalb unter Druck gesetzt. Der Spiegel-Bericht wurde von dem Linken-Geschäftsführer Dietmar Bartsch und von Vize-Fraktionschef Ulrich Maurer scharf kritisiert. Maurer sprach von einer Hasskampagne.

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Lafontaine selbst verwahrte sich gegen "unhaltbare Gerüchte". Tatsächlich hatte er mit dem Rückzug von der Spitze der Bundestagsfraktion Medien und Parteifreunde in Erstaunen versetzt. Kaum hatte er der Linkspartei den größten Wahlerfolg ihrer Geschichte erkämpft, kündete er Anfang Oktober an, nicht länger Fraktionschef in Berlin sein zu wollen. Warum der ebenso eitle wie machtbewusste Lafontaine ausgerechnet auf jenes Amt verzichtete, das es ihm erlaubt hätte mit seiner rhetorischen Stärke zu glänzen und die Regierung zu attackieren, wussten viele nicht zu deuten. Dass die Fraktionsführung im Saarbrücker Landtag ein Ersatz dafür sein könnte, wird keiner geglaubt haben. Umso genauer wurde registriert, dass Lafontaine in Berlin neuerdings häufig fehlte.

Autor: Bärbel Krauß