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19. August 2017

Bundeswehr

Immer mehr offene Fragen über Marsch, bei dem ein Soldat gestorben ist

Die Informationen über den Eingewöhnungsmarsch in Munster, in dessen Folge ein Offiziersanwärter Ende Juli gestorben ist, werden immer verwirrender.

  1. Soldaten in der Grundausbildung beim Geländemarsch Foto: dpa

BERLIN. Nach bisherigem Erkenntnisstand mussten am 19. Juli insgesamt 29 Offiziersanwärter in der Grundausbildung nicht nur einen, sondern mehrere Märsche absolvieren. Das bestätigte der Sprecher von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Freitag in Berlin.

Der Soldat, der nach drei Kilometern zusammenbrach, notärztlich versorgt wurde und zehn Tage später starb, war nicht der Einzige, der bei der Übung massive gesundheitliche Beeinträchtigungen zeigte. Drei weitere Soldaten mussten im Lauf des Tages notärztlich versorgt werden. Darüber hinaus waren zwei Soldaten während oder nach dem Marsch kurzzeitig nicht ansprechbar. Weitere fünf Offiziersanwärter klagten über leichtere Beschwerden, etwa Bauchschmerzen, Knie-, Fuß- und Unterschenkelschmerzen.

"Wir wissen noch nicht genau, was vorgefallen ist", betonte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, das in der Zwischenzeit mehr als 40 Beteiligte befragen ließ. Er warnte deshalb auch vor voreiligen Schlüssen. Eine übergeordnete Hauptursache, die die hohe Zahl gesundheitlicher Beeinträchtigungen erkläre, sei bisher nicht entdeckt.

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Die Staatsanwaltschaft Lüneburg, die in dem Todesfall ermittelt, bestätigte, dass der Soldat laut Obduktionsbericht an multiplem Organversagen in Folge einer Sepsis (Blutvergiftung) gestorben sei. Der Auslöser dafür sei aber nach wie vor unklar, so Sprecherin Angelika Klee gegenüber der Badischen Zeitung. "Wir müssen die Todesursache weiter aufklären und zusätzliche rechtsmedizinische Untersuchungen anstellen." Ihre Behörde prüfe derzeit, ob jemandem ein strafrechtlich relevanter Vorwurf zu machen sei. Erwiesen sei dies noch nicht.

Das Verteidigungsministerium begründete die Abläufe am 19. Juli damit, dass 29 von 44 Soldaten nicht wie befohlen alle nötigen Ausrüstungsgegenstände mit sich geführt hätten. Deshalb habe der Ausbilder den Rückmarsch in die Kaserne angeordnet. Kurz vor Erreichen des Standortes sei der inzwischen verstorbene Soldat kollabiert. Einige Soldaten hätten im weiteren Verlauf des Tages Liegestützen absolvieren müssen. Der Sprecher wollte dabei nicht von einem "Strafmarsch" sprechen; laut Diktion der Truppe habe es sich um eine "erzieherische Maßnahme" gehandelt.

Das Verteidigungsministerium ordnete den Ablauf als recht übliche Ausbildungspraxis bei der Truppe ein. Jährlich durchliefen 20 000 Soldaten die Grundausbildung bei der Bundeswehr. In deren Ablauf werde den Soldaten vermittelt, dass es bei Übungen im Gelände keine Möglichkeit gebe, Ausrüstungsgegenstände einfach zu holen, die man vergessen habe. Wenn es dennoch dazu komme, dass Gegenstände im Gelände fehlten, müssten die Soldaten sie holen. In diesem Fall seien die 29 Betroffenen gemeinsam mit dem Ausbilder und ohne Zeitvorgabe zurückmarschiert in die Kaserne.

Autor: Bärbel Krauß