Er versteht was von Wirtschaft

Katja Bauer

Von Katja Bauer

Do, 06. Dezember 2018

Deutschland

Friedrich Merz – manche seiner Ideen gelten als realitätsfremd.

Er bietet, was sich die Öffentlichkeit oft von Politikern wünscht: Friedrich Merz ist kein Apparatschik, der seit Jahrzehnten nicht anderes macht als Politik. Er kommt als einziger der drei Kandidaten von außen in die Politik und hat die vergangenen Jahre in der freien Wirtschaft verbracht. Aber er ist auch kein klassischer Quereinsteiger: Er hat politische Führungserfahrung und ist in der Partei gut vernetzt.

Viele seiner Anhänger verbinden mit Merz die Hoffnung, dass er die CDU nach Merkel klarer im konservativen Spektrum verorten könnte, auch wenn er selbst stets von der CDU als "Volkspartei der Mitte" spricht. Als Mann des scharfen Wortes bringt er auch einen emotionalen, bisweilen populistischen Faktor in die Debatte ein. Das könnte die Volksparteien stärken und die politischen Ränder schwächen.

Als Wirtschaftsexperte genießt Merz das Vertrauen des Mittelstands. Der Wirtschaftsanwalt und Lobbyist steht für einen proeuropäischen und klar marktliberalen Kurs. Es ist spürbar, dass Merz für diese Themen brennt – auch nach seinem Rückzug aus dem Bundestag meldete er sich mit seinen Ansichten zur Finanzmarktkrise, zur Steuerpolitik oder zur Energiewende zu Wort.
Eine Million Euro Jahresgehalt sind in keiner Weise ehrenrührig. Aber wenn man sich damit zur gehobenen Mittelschicht zählt, ist das ein Hinweis auf eine verrutschte Sicht auf die Gesellschaft. Merz nährt den Verdacht, dass ihm die Fühlung zur Lebenswirklichkeit der Mehrheit abhandengekommen sein könnte. Auch der Vorstoß, den Kauf von Aktien für die private Altersversorgung steuerfrei zu stellen, geht an der Realität vieler Menschen komplett vorbei.

Auch wenn man mit 63 Jahren in der Politik im besten Alter ist, verkörpert Merz nicht gerade einen zeitgemäßen Politikstil. Er war gut eine Dekade lang abwesend, in einer Phase, in der sich nicht nur manche Debatte inhaltlich weiterentwickelt, sondern auch das politische Geschäft in seiner Geschwindigkeit und in der Kommunikation massiv verändert hat.

Wann immer die CDU über mögliche Heilsbringer diskutierte, fiel der Name Merz. Es könnte eine gehörige Portion Projektion im Spiel sein. Merz ging, als Angela Merkel kam, er wollte sich nicht unterordnen. In der Vergangenheit hat der Kandidat nicht bewiesen, dass er einen moderierenden Politikstil pflegt, der die Parteibasis mitnimmt.