Erfolg im Kampf gegen Mafia

dpa

Von dpa

Do, 06. Dezember 2018

Deutschland

90 Festnahmen bei internationaler Razzia / Vermögenswerte in Millionenhöhe beschlagnahmt.

WIESBADEN/ROM (dpa). Bei groß angelegten Razzien gegen die italienische Mafia-Organisation ’Ndrangheta haben Ermittler in Deutschland und anderen Staaten fast 90 Verdächtige festgenommen. Bei den Vorwürfen geht es um Drogenhandel, vor allem mit Kokain, und Geldwäsche. In Deutschland wird im Rahmen der Operation gegen 47 Beschuldigte ermittelt, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt von Duisburg, Horst Bien, am Mittwoch.

Die kalabrische ’Ndrangheta gilt als mächtigste italienische Mafia-Organisation. Sie dominiert den Drogenschmuggel nach Europa und ist auch in Deutschland aktiv. Horst Bien zufolge wurden vor allem in Nordrhein-Westfalen Vermögenswerte von mehreren Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt. Mutmaßlicher Haupttäter in NRW ist ein Gastwirt aus Pulheim bei Köln. An den Durchsuchungsaktionen in Deutschland waren rund 440 Beamte von Bundeskriminalamt (BKA) und Bundespolizei beteiligt. Im Osten des Großraums München wurden eine Pizzeria und eine Wohnung durchsucht, hieß es aus Ermittlerkreisen. Festnahmen gab es dort aber nicht. Das BKA nahm am Mittwoch 14 Personen in Deutschland fest, sechs davon wegen Haftbefehlen aus Italien, Belgien und den Niederlanden. Bei den Durchsuchungsmaßnahmen wurden größere Mengen Bargeld sowie Autos, die mutmaßlich als Kurierfahrzeuge für den Drogenschmuggel genutzt wurden, sichergestellt.

Eurojust-Vizepräsident Filippo Spiezia bezeichnete die Operation unter dem Decknamen "Pollino" – das ist der Name eines Nationalparks in Süditalien – als "außerordentlichen Erfolg". Sie sei die bisher umfangreichste ihrer Art in Europa. Um die Aktion vorzubereiten, arbeiteten Strafverfolgungs- und Justizbehörden seit 2016 im Rahmen einer grenzüberschreitenden Ermittlungsgruppe (GEG) zusammen. Sie wurden dabei unterstützt von Eurojust, der EU-Agentur für justizielle Zusammenarbeit der EU, und Europol in Den Haag.

Im Laufe der Ermittlungen wurden europaweit fast 4000 Kilogramm Kokain und beträchtliche Mengen anderer Betäubungsmittel beschlagnahmt. Die niederländische Nachrichtenagentur ANP berichtete, der größte Teil davon (3500 Kilo) sei im März im Hafen von Rotterdam beschlagnahmt worden. Das BKA geht nach eigenen Angaben dem Verdacht nach, dass die ’Ndrangheta fast eine halbe Tonne Kokain oder sogar noch mehr nach Deutschland geschmuggelt hat.

In Deutschland durchsuchte die Polizei am Mittwoch laut Kölner Ermittlern 23 Objekte in NRW, außerdem vier weitere in Berlin und vier in Thüringen. Das BKA berichtete später, Beamte des BKA und der Bundespolizei, darunter auch die Spezialeinheit GSG 9, seien in 65 Wohnungen oder anderen Objekten mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und Bayern gewesen. Auch im belgischen Verviers und auf Mallorca gab es Aktionen. Laut Eurojust fand ein Einsatz auch im südamerikanischen Surinam sowie in Luxemburg statt.