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21. Juli 2011
Erste Rücktrittsforderungen gegen Bernd Althusmann
Die Uni Potsdam untersucht, ob Niedersachsens Kultusminister in seiner Doktorarbeit getäuscht hat / Sollte es so sein, ist Ministerpräsident McAllister beschädigt.
HANNOVER. Bernd Althusmann gilt in Niedersachsen als ein besonders gründlicher und umsichtiger Minister. Im Kreis von Ministerpräsident David McAllister ist der 45-Jährige längst ein Kronprinz. Sollte der Regierungschef nach Berlin gerufen werden, könnte Althusmann die Nachfolge am besten übernehmen, heißt es bei Anhängern und Gegnern in Hannover. Doch seit Anfang Juli verdunkelt ein Schatten die Ausstrahlung des Kultusministers: Er hat in seiner 2007 abgeschlossenen Doktorarbeit offenkundig über weite Strecken zitiert, ohne die wörtliche Übernahme korrekt zu kennzeichnen. Ist das nun ein Plagiat wie im Fall Guttenberg? Oder nur schlichte Schlamperei?
Zwei Umstände machen die Angelegenheit für McAllister, dessen CDU/FDP-Koalition bisher geräuschlos und relativ harmonisch lief, durchaus problematisch. Erstens ist Althusmann gegenwärtig Vorsitzender der Kultusministerkonferenz – also jenes Gremiums, dem im Wissenschaftsbetrieb eine Vorbildfunktion zufällt. Kann jemand, der in seiner Doktorarbeit zumindest oberflächlich gearbeitet hat, diese Autorität noch verkörpern? Das bezweifeln viele, deshalb kommen aus den Reihen der SPD schon die ersten Rücktrittsforderungen. Zweitens macht die Stärke, die Althusmann ausstrahlte, ihn jetzt besonders angreifbar.
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Sollte es gelingen, den allseits geschätzten Kultusminister zu stürzen, wäre der Schaden für die Regierung McAllister enorm. Der 40-jährigen Ministerpräsident wäre damit auch persönlich beschädigt. Dies wiegt umso schwerer, als sich Niedersachsen gegenwärtig sowieso schon in einer Art Wahlkampfstimmung befindet. Am 11. September werden die Kommunalvertretungen und Landräte und Bürgermeister neu gewählt. Die CDU von McAllister muss ihre Rolle als Nummer eins verteidigen, was angesichts des bundesweiten Höhenflugs von SPD und Grünen schwerfallen dürfte. Wenn die Wahlresultate feststehen, ist es bis zur nächsten Landtagswahl Anfang 2013 nicht mehr lang hin. Schon wird darüber spekuliert, wer denn auf SPD-Seite der Herausforderer für McAllister werden könnte – ein Zeichen dafür, dass die Landespolitik sich auf die Wahlen ausrichtet.
Die CDU schart sich gegenwärtig nicht nur deshalb um Althusmann, weil der Wahlkampf bevorsteht und die Reihen geschlossen werden müssen. Zwei Dinge werden dem Minister intern hoch angerechnet. Zum einen hat er, als die Wochenzeitung Die Zeit über seinen Fall berichtete, Versäumnisse bei seiner Doktorarbeit eingeräumt. Er trat schuldbewusst auf, verzichtete auf jeden Angriff gegen seine Kritiker. Zum anderen wiegen die Vorwürfe gegen Althusmann längst nicht so schwer wie die gegen den zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Althusmann hat nicht korrekt zitiert, er übernahm an mehreren Stellen längere Zitate aus wissenschaftlichen Arbeiten, machte diese aber nicht mit An- und Abführungszeichen kenntlich, sondern erwähnte in der Fußnote "vgl." (vergleiche). Dies kann den Eindruck erweckt haben, es habe sich um seine, Althusmanns, Formulierungen gehandelt und der Vergleich verweise nur auf eine ähnliche Einschätzung anderer. Tatsächlich aber hatte Althusmann die Gedanken anderer Autoren komplett übernommen. Geschah das in der Absicht zu täuschen oder war es nur eine schludrige Arbeitsweise? Diese Frage muss nun die Universität Potsdam beantworten, die in Kürze zu dem Fall Stellung nehmen will. Vom Urteil der Universität hängt das Schicksal des Ministers wohl stark ab.
Autor: Klaus Wallbaum
