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07. August 2010
Klimaschutz: „Es ist ein Konflikt zwischen den Generationen“
BZ-INTERVIEW mit Rainer Baake von der Deutschen Umwelthilfe über den Egoismus beim Klimaschutz und die Aufgabe der Bundesregierung.
BONN. Die fünftägige Bonner UN-Vorbereitungskonferenz für den nächsten Klimagipfel in Mexiko hat kaum Fortschritte gebracht. Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, sieht den Egoismus der heutigen gegenüber künftigen Generationen als Hemmnis beim Klimaschutz. Bärbel Krauß sprach mit ihm.
BZ: Seit 35 Jahren gibt es den Begriff globale Erwärmung. Obwohl man schon so lange vom Klimawandel weiß, ist es nicht gelungen, ihn zu stoppen. Warum tut die Politik sich so schwer damit, nachhaltige Erfolge zu erzielen?Baake: In den ersten Jahren war das eine Frage der Erkenntnis. Auch viele Wissenschaftler haben anfangs bestritten, dass der Mensch dabei ist, dass globale Klima zu verändern. Seit mindestens 25 Jahren kann jedoch nicht mehr geleugnet werden: Wir sind mitten drin im Klimawandel. Wenn jetzt nicht entschieden gehandelt wird, hinterlassen wir unseren Kindern und Enkeln eine schreckliche Hypothek. In Kern geht es um einen Konflikt zwischen den Generationen: Klimaschutz kostet Geld. Die heutige Generation will diese Ausgaben nicht aufbringen und schiebt sie – bewusst oder unbewusst – den Nachkommen zu. Kein Klimaschutz heute wird wegen der Folgekosten für unsere Enkel aber unbezahlbar.
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BZ: Wird die Politik nicht auch dadurch gelähmt, dass die Erderwärmung nur global eingedämmt werden kann?
Baake: Sicher gibt es Politiker und Wirtschaftsführer, die die eigene Untätigkeit mit dem Argument entschuldigen, die anderen täten ja auch nichts. Aber: Am Ende des Ratifizierungsprozesses für das Kyotoprotokoll standen die USA alleine da. Alle anderen Industrieländer hatten zugestimmt. Dies war nicht ohne Folgen für die Diskussionen in den USA. Wahr ist, dass wir das Klimaproblem nur lösen können, wenn wir global zu Vereinbarungen kommen. Richtig ist aber auch, dass es dabei nur um den Rahmen, um die Verteilung von Lasten und Verantwortungen geht. Gehandelt werden muss dann vor Ort. Nicht die Vereinten Nationen reduzieren den Ausstoß von Klimagasen, das müssen wir in den Nationalstaaten schon selber zustande bringen.
BZ: In Bonn wurde bis Freitag der Gipfel von Cancún vorbereitet, der Ende November beginnt. Wie sind Ihre Erwartungen für Mexiko?
Baake: Wenn es in Kopenhagen überhaupt einen Fortschritt gegeben hat, dann den, dass alle Regierungschefs das Zwei-Grad-Ziel anerkannt haben. Das Schwierige ist jetzt, dieses Ziel zu operationalisieren. Dabei kommt den USA und China eine Schlüsselrolle zu. Solange die beiden sich nicht zusammenraufen, wird es nach meiner Einschätzung auch keinen Vertragsabschluss geben. Das klingt düster. US-Präsident Barack Obama hat nicht einmal sein Klimaschutzgesetz zu Hause durchsetzen können, dessen Eckpunkte den Chinesen in Kopenhagen schon zu wenig waren. Die Situation in den USA ist deprimierend. Der Präsident muss jetzt entscheiden, ob er von seinen exekutiven Möglichkeiten Gebrauch machen will. Ein Klimaschutzgesetz wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. Wenn die Amerikaner, die unter den führenden Industriestaaten den mit Abstand größten Pro-Kopf-Ausstoß von Treibhausgasen haben, nicht bereit sind Klimaschutz zu betreiben, warum sollten es dann die Chinesen tun?
BZ: Was folgt daraus für die Bundesregierung?
Baake: Die Bundesrepublik muss zeigen, dass Klimaschutz und Wohlstand keine Gegensätze sind, sondern zusammengehen. Wir müssen ganz praktisch demonstrieren, dass es möglich ist und auch auf den Weltmärkten große Chancen bietet, zum Beispiel unsere Stromversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen. Wenn andere Länder sehen, dass das Industrieland Deutschland entschlossen diesen Weg geht und dabei unter dem Strich gewinnt, wird das als Vorbild wirken.
Autor: luß
