Flüchtlinge sind nur ein Aspekt der Zuwanderung

dpa/fs

Von dpa & Franz Schmider

Do, 24. Januar 2019

Deutschland

Bei 1,5 Millionen Zuzüglern bleibt wegen der Abwanderung ein Saldo von 416 000 / Jeder zehnte Studierende kommt aus dem Ausland.

Der Migrationsbericht des Innenministeriums, erstellt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, beleuchtet nicht allein das Thema Flüchtlinge und Asyl, sondern darüber hinaus auch Fragen des Zuzugs in den Arbeitsmarkt.

Dauer der Asylverfahren
Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sind derzeit rund 58 000 Verfahren anhängig. Bei elf Prozent dieser Verfahren dauert die Bearbeitung schon länger als ein Jahr an. Wer 2018 einen Antrag stellte, wartete im Durchschnitt drei Monate auf seinen Asylbescheid, in den sogenannten Ankerzentren dauerte die Bearbeitung der Anträge nach Angaben des Bamf zwischen 1,1 und 2 Monaten.

Asyl für Säuglinge
Fast jeder fünfte Asylbewerber wurde schon in Deutschland geboren. Denn rund 19,9 Prozent aller Asylerstanträge wurden laut Bundesinnenministerium 2018 für Kinder gestellt, die hierzulande geboren wurden und noch kein Jahr alt sind.
Anerkennung von Asylbewerbern
Im vergangenen Jahr lehnte das Bamf knapp 35 Prozent aller Asylanträge ab. Zudem erledigten sich rund 30 Prozent der Anträge auf andere Weise – durch eine Zuweisung in ein anderes europäisches Land nach dem sogenannten Dublin-Verfahren oder weil der Antrag zurückgezogen wurde. Nach den Dublin-Regeln ist normalerweise der EU-Staat für Asylanträge zuständig, auf dessen Boden Schutzsuchende zuerst den Boden der Europäischen Union betreten haben. Auch Norwegen, Island, die Schweiz und Liechtenstein sind dabei. Bamf-Chef Hans-Eckhard Sommer betonte, im vergangenen Jahr seien nur 17 Prozent der Entscheidungen von Verwaltungsgerichten über Asylbescheide zugunsten des Klägers ausgegangen, 38 Prozent zugunsten des Bamf. 45 Prozent endeten mit einer "sonstigen Verfahrenserledigung". Dabei habe es keine Veränderungen zugunsten des Klägers gegeben. Das Bundesamt hat 85 000 Asylbescheide überprüft und 84 000 bestätigt. In 500 Fällen wurde der Flüchtlingsstatus widerrufen, in 200 das Abschiebungsverbot aufgehoben.

Zuwanderung
Laut Migrationsbericht für die Jahre 2016 und 2017 verzeichnete das Bamf 2016 einen Zuzug von 1,87 Millionen Menschen, das war ein Rückgang um fast 13 Prozentpunkte. 2017 sank die Zahl weiter auf 1,5 Millionen Zuzüge. Verrechnet mit den Fortzügen gab es ein "Wanderungssaldo" von 416 000 im Jahr 2017. Dieser Trend werde sich 2018 fortsetzen. Zwei Drittel der Zuzüge kommen aus europäischen Staaten inklusive der Türkei und Russland. Rumänien ist dabei das Hauptherkunftsland (14,2 Prozent; 220 000) vor Polen (9,8 Prozent), Bulgarien, Italien und Kroatien.

Migrationshintergrund
Fast jeder Vierte in Deutschland hatte bei der Geburt entweder nicht die deutsche Staatsangehörigkeit oder hat mindestens ein Elternteil, auf das dies zutrifft. Ein knappes Drittel der Menschen mit Migrationshintergrund ist schon in Deutschland geboren worden.

Studium in Deutschland
Neben der Zahl der Erwerbsmigranten ist auch die der Studierenden an deutschen Hochschulen gestiegen. Inzwischen kommt mehr als jeder zehnte Studierende aus dem Ausland. 2017 schrieben sich 104 940 Studierende neu an Hochschulen hierzulande ein, die ihren Schulabschluss im Ausland gemacht haben. Mehr als jeder Zehnte kommt aus China.